Wohnzimmerkirche
Mit Gott auf der Couch
- Brause, Bowle und Bonbon-Automat: Die Wohnzimmerkirchenabende gleichen mehr einer netten Geburtstagsrunde mit Freunden als einem Gottesdienst. Das sei auch so gedacht, sagt Pfarrerin Teresa Tenbergen.
- Foto: Teresa Tenbergen
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Eine Hamburger Idee macht es sich in Weimar gemütlich – im wahrsten Sinne des Wortes. Warum Kirche auch in Wohnzimmeratmosphäre funktioniert.
Von Conny Mauroner
Es ist keine Neuerfindung der Weimarer Kirchengemeinde. Pfarrerin Teresa Tenbergen fand die Idee der "Wohnzimmerkirche" aber so gut, dass sie diese nun auch in Weimar etabliert hat. Was in Hamburg begann und seit einiger Zeit auch in Halle praktiziert wird, macht nun auch Schule in der Klassikerstadt.
Die Wohnzimmer-Gottesdienste sind keine Veranstaltungen in den eigenen vier Wänden. "Es sind Formate, in denen eine Atmosphäre geschaffen wird, in der sich die Menschen fühlen wie in einem Wohnzimmer. Ein Abend, den man gern auch mit Freundinnen und Freunden verbringt und zugleich aber versucht, den Fragen des Lebens auf den Grund zu gehen", sagt Tenbergen. Dafür scheut das Wohnzimmerkirchen-Team keinen Aufwand.
Die Premiere der Wohnzimmerkirche fand im Saal der Alten Notenbank in Weimar statt. Ein Raum, der sonst für Tagungen oder Konzerte genutzt wird, wurde dekoriert. "Wir haben kleine Tische und Sessel gestellt, Lichterketten aufgehängt. Immer dabei ist Stehlampe ›Hildegard‹. Sie ist zum Wohnzimmerkirchen-Symbol geworden."
Zum Schein von "Hildegard" werden in der Wohnzimmerkirche Limo, Bier und Snacks gereicht. Der Abend gleicht mehr einer netten Geburtstagsrunde als einem Gottesdienst. "Das Ziel ist es, Menschen einen Raum zu schaffen, die noch nicht oder lange nicht mit Kirche in Berührung gekommen sind und vielleicht auch Schwierigkeiten haben, die Formeln und Sprache der Kirche mitsprechen zu können. Der Versuch, ein bisschen Kirche im Alltag zu sein."
Das Angebot ist niederschwellig, ein bisschen Liturgie gibt es dann aber doch. Es gibt Gebetsformate und einen Segen, der am Ende gesprochen wird, und auch die Diskussions-Themen sind vorgegeben.
So drehte sich am Premierenabend alles um „Wohnungsbesichtigungen“. „Wie wohnen wir?“ und „Wo wohnt Gott?“ waren zentrale Fragen. "Dennoch versteht sich die Wohnzimmerkirche mehr als ein Gesprächsformat als einen Gottesdienst." Darum geht es: Menschen sollen miteinander ins Gespräch kommen. Dabei hilft auch der so genannte Fragomat. "Das ist ein alter Kaugummiautomat, in dem Plastikkugeln mit Fragen stecken. Die stellen sich die Teilnehmer in kleiner Runde und plaudern dann sozusagen über Gott und die Welt." Es werden Impulse gesetzt und Gedankenanstöße gegeben. Zwischendurch gibt es immer wieder Musik.
Die Wohnzimmerkirche spricht alle an, doch gerade die 20- bis 50-jährigen liegen Teresa Tenbergen am Herzen. "Für sie gibt es wenig niederschwellige Kirchenformate. Vielleicht ist die Wohnzimmerkirche etwas, was auch sie erreicht", hofft Tenbergen. Die Themen, um die es geht, sind breit gefächert. Nach der Wohnungsdiskussion steigt der nächste Abend in den "Blütenregen" ein. Was blüht im Leben, und was eben manchmal nicht? Auch über die Reiselust bis hin zu den Traumwelten gibt es noch einiges an Themen zu besprechen. Insgesamt sind sechs Wohnzimmerkirchen im Jahr in Weimar geplant.
Die Orte, an denen sie stattfinden sollen, wechseln. Nachdem der nächste Abend ebenfalls in der Alten Notenbank stattfinden wird, laufen Gespräche über Alternativen. Das Straßenbahndepot am E-Werk ist eine davon. Auch die Cafeteria im Bauhaus-Museum soll einmal zur Wohnzimmerkirche werden.
Tipp: Zur nächsten Wohnzimmerkirche wird am 14. April, 20.30 Uhr, in die Alte Notenbank in Weimar eingeladen.
Autor:Praktikant G + H |
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