Dienstjubiläum im Kirchenkreis Salzwedel
60 Jahre in Jeeben gepredigt

Besuch in der Altmark: Kinder, Enkel und Freunde werden Peter Eggert (3. v.r.) zum 60. Dienstjubiläum im Pfarrhaus Jeeben wieder besuchen.
  • Besuch in der Altmark: Kinder, Enkel und Freunde werden Peter Eggert (3. v.r.) zum 60. Dienstjubiläum im Pfarrhaus Jeeben wieder besuchen.
  • Foto: Lydia Eggert
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Er setzt die Worte mit Bedacht. Seit 60 Jahren verkündet Peter Eggert die Frohe Botschaft im Pfarrbereich Jeeben.

Von Renate Wähnelt

Der 85-Jährige wird auch am 18. Juli in seiner Kirche im Kirchenkreis Salzwedel die Predigt im Festgottesdienst halten, der anlässlich seines 60-jährigen Dienstjubiläums gefeiert wird. „Vor zehn Jahren habe ich den ganzen Gottesdienst gestaltet“, erinnert er sich an das Fest mit großem Posaunenchor. Durch die Corona-Zeit wird es jetzt kleiner, und die vielen Bläser sind nicht möglich. Jetzt sei es ihm insgesamt sehr recht, wenn er sich nicht um alles kümmern muss. Das bevorstehende Jubiläum koste ihn Kraft.

Kraft hat er immer gebraucht. Elternlos ist der in Berlin Geborene mit der Großmutter vor den Bombenangriffen 1943 ins Sudetenland geflohen. Von dort wurde er nach dem Krieg nach Thüringen ausgesiedelt. Hier wuchs er in der kargen Kriegs- und Nachkriegszeit weiter auf und lernte durch Christenlehre, Konfirmandenunterricht und Jugendrüsten christliches Leben kennen. Er studierte Theologie in Berlin und kam nach dem Vikariat in Suhl und dem Predigerseminar in Brandenburg 1961 nach Jeeben, wo gerade eine Stelle frei geworden war. In der Altmark betreute er fortan sechs, später sieben Gemeinden. Viele Jahre lang pflegte er seine kranke Frau. Seit mehr als zehn Jahren ist er allein.

„Nach meinem Ruhestand habe ich einfach weitergemacht“, sagt Peter Eggert. Wobei er sich sehr bewusst ist, dass er als ehrenamtlicher Prediger nicht mehr in der pfarramtlichen Verantwortung steht. Die Entwicklung ringsum beobachtet er jedoch mit Sorge: „Jetzt ist ein Pfarrer für 21 Orte zuständig. Der Gedanke, dort überall Gemeindeleben zu gestalten, ist für mich absurd. Es ist so schwierig, Menschen zu gewinnen und zu behalten“, weiß der erfahrene Gemeindepfarrer. Für ihn laufe die Stellenreduzierung auf eine Restbestandsverwaltung hinaus; Gemeindeaufbau sei so nicht vorstellbar.

Peter Eggert sagt das traurig. Schließlich hat er sich in den kleinen altmärkischen Orten immer wohl gefühlt. Obwohl er miterlebte, wie sich bereits zu Beginn seiner Dienstzeit nach der Zwangskollektivierung die Dörfer zu leeren begannen, weil die jungen Leute aus der Landwirtschaft heraus wollten. Sie hätten keine Perspektive für sich gesehen.

Der Pfarrer möchte, so lange es geht, den Menschen nahe sein und verkündigen. Er habe seinen Dienst immer gern getan und sich den Lebenswegen seiner Mitmenschen verbunden gefühlt, sowohl derer, die blieben, als auch derer, die sich abwandten. „Es ist ein Wunder Gottes, dass ich so ein Alter erreicht habe, trotz aller Sorgen und Nöte“, ist er dankbar für das Hier und Heute. Er hält nicht nur Gottesdienste und Beerdigungen. Peter Eggert leitet auch den Posaunenchor und spielt selbst. Dass die Ausbildung junger Bläser wegen Corona pausieren muss, betrübt ihn. Hat er doch gerade erlebt, dass ein Jugendlicher durch die Musik zum Glauben fand und sich taufen ließ. Gern hätte er die Taufe selbst vollzogen, doch es fügte sich anders.

Autor:

Renate Wähnelt

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