Predigt
Zu Fehlern stehen
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Da sprach Adam: Die Frau, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. Da sprach Gott der Herr zur Frau: Warum hast du das getan? Die Frau sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß.
1. Mose 3, Verse 12+13
Über die Versuchungsgeschichte, den sogenannten „Sündenfall“, wurde schon viel diskutiert. Immer wieder war und ist sie auch fadenscheinige Entschuldigung für die Abwertung der Frau. Die Frau, die den Mann verführt (hat) – und der Mann, der sich verführen lässt.
Von Dorothea Heller
Der Text wirft viele Fragen auf und lässt viele Fragen offen. Warum gibt es zwei Berichte? Einen, in dem Mann und Frau als ebenbürtig erschaffen werden, und einen, in dem die Frau zur Ursache allen Übels stilisiert wird? Und was den Baum betrifft: Warum darf der Mensch keine Erkenntnis gewinnen? Wir wären doch froh, wenn wir zwischen gut und böse klar unterscheiden könnten. Aber wir besitzen die Fähigkeit, Dinge zu erkennen und sie abzuwägen oder zu beurteilen.
Auch wenn das Versprechen der Schlange ein falsches war: Wissen, was gut und böse ist, das kann wohl keiner. Aber immer wieder abzuwägen, diese Fähigkeit ist uns von Gott mitgegeben. Die Entscheidung, sich vom Bösen nicht anstecken zu lassen, ist heute aktuell wie lange nicht. Aktuell an der Erzählung vom Garten Eden ist auch, dass sowohl Mann als auch Frau versuchen, ihre Schuld abzuwälzen: Der Mann auf die Frau, die Frau auf die Schlange.
Es fällt schwer, Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Wie oft erlebe ich, dass Menschen zu ihren Fehlern nicht stehen, sondern andere vorschieben oder ihre Fehler vertuschen wollen. Nur wer zu dem steht, was falsch gelaufen ist, kann auch daraus lernen. Wichtig ist es auch, bei meinem Gegenüber nicht ständig nach Fehlern zu suchen, sondern zu versuchen, Fehler zu verzeihen. Auch das gehört wohl zu einer gesunden Fehlerkultur dazu. Und am Ende aller Fehler steht die Botschaft der Auferstehung: Alle Schuld ist schon hinweggenommen.
Dorothea Heller
Pfarrerin in Weimar
Foto: Guido Werner
Autor:Online-Redaktion |
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