Predigt
Wer uns anklagt

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 Ihr Otterngezücht, wer hat euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Lukas 3, Vers 7

Aus der 1984 überarbeiteten Lutherbibel verschwand ein scharfes Wort: Otterngezücht. Nach der Revision 2017 wird es wieder ausgesprochen, am 3. Advent, in der Bußpredigt des Täufers Johannes.

Von Lüder Laskowski

Aus den griechischen „Nachkommen der Vipern“ machte der Reformator unter Verweis auf die heimischen Kreuzottern ein lautmalerisches Wort mit einem zischenden „Z“. Luther verlegt die Rede des Johannes in eine deutsche Landschaft. Mit diesem Wort rückt die ferne Predigt des Johannes an die eigene Haustür.

Johannes erteilt Aufträge – ganz persönlich aber auch auf die Verhängnisse hin, in die wir qua Geburt und Stand in der Welt verwoben sind. Als einfacher Mensch ringe um die Gerechtigkeit, die bei dir anfängt. Teile mit denen hälftig, die weniger haben als du. Wer aber Macht hat, der diene und suche nicht seinen eigenen Vorteil. Johannes spricht Zöllner und Soldaten an, damals für die römische Besatzungsmacht unterwegs. Der Täufer zeigt auf die unüberwindliche Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Und zugleich sieht er diejenigen, die darauf angewiesen sind, dass andere teilen und diejenigen, die mit der Macht anderer leben müssen. Beides ist ineinander verwoben. Wer sich von Johannes taufen lassen möchte, muss sich das eingestehen.

Damit ist alle Adventsstimmung dahin, so sie sich allein auf Zimtsterne, Glühwein und einen warmen Ofen bezieht. Auf ihren ursprünglichen Sinn hin aber beginnt an dieser Stelle die Meditation über die Ankunft Gottes in der Welt. „Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben!“ Das bedeutet Selbstgewissheiten aufzugeben. Es geht Johannes nicht um einen strafenden Gott. Seine Anklage ist Bestandsaufnahme. Der „Zorn“ spricht die Folgen menschlichen Tuns an, wie sie uns der Blick auf Gott erst vor Augen führt. Wenn er aber selbst kommt, wird er die Welt verwandeln, in eine friedliche und gerechte. In diese Bewegung können wir eintreten. Gott lässt uns nicht mit uns allein. Das ist die Hoffnung im Advent. Indem sich Jesus von Johannes taufen lässt, begibt er sich selbst als Mensch auf einen solchen Weg.

Der Autor ist Kirchenrat in Dresden. 

Kirchenrat Lüder Laskowski

 | Foto: L. Laskowski
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Online-Redaktion

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