Predigt
Wenn es Jesus jammert
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. Markus 8, Verse 1+2
An diesem Wochenende feiern wir in vielen Kirchen das Erntedankfest. Der Altar ist geschmückt mit Obst und Gemüse. Die Gedanken gehen zurück in einen heißen Sommer, in dem manche Gießkanne zu schleppen war. Auch denken viele Menschen an die Erträge des Jahres, die die Eindrücke des Lebens beschreiben. Wir sind reich, die meisten Menschen haben ein gutes Auskommen. Der Kühlschrank ist gut gefüllt, und eine stille Reserve beruhigt manche Sorge.
Der Predigttext für das Erntedankfest beschreibt eine andere Situation: Eine große Menge war beisammen – 4000 Menschen werden genannt – und sie hatten nichts zu essen. Der vielleicht mitgebrachte Proviant war längst aufgebraucht, und das Knurren der Mägen übertönte vielleicht die Predigt Jesu.
Und was macht der? Er redet nicht einfach weiter von Umkehr, Nächstenliebe und vom Reich Gottes. „Mich jammert das Volk!“ Jesus schaut hin, er schaut auf die Not der Menschen. Jammer ergreift ihn. Und Jammer meint nicht das ständige Klagelied über hohe Preise und tatenlose Mächtige. Der Jammer Jesu hat Konsequenzen: Brote und Fische werden geteilt, und als das Wunder geschieht: alle werden satt und es ist sogar noch körbeweise übrig für andere Hungernde.
Ob das wohl Aufgabe von Kirche ist in der Nachfolge ihres Herrn? Gerade das Erntedankfest und der Blick in den eigenen, gut gefüllten Kühlschrank kann den Blick weiten für den Jammer des Volkes auf der Suche nach Nahrung. Und damit meine ich mehr als ein paar Kartoffeln oder einen Kürbis. Nachfolge Jesu kann keinen anderen Weg finden als den zum Hungrigen, zum Durstigen und zum Menschen auf der Suche nach dem, was er zum Leben braucht. Dazu macht Jesus Mut.
Der Autor ist Pfarrer in Frankenheim.
Autor:Online-Redaktion |

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