Predigt
Vom Gebrauch der Bibel
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin.
Johannes 5, Vers 39
Von Pfarrer Ralf Euker
„Nimm deine Matte und geh“, fordert Jesus am Teich von Betesda den Gelähmten auf (Vers 8). Es ist jedoch Sabbat. Am Ruhetag hat niemand eine Arbeit zu tun. Dazu zählt für manche selbst das Tragen einer Matte. Es kommt zum Verhör. Und hört, hört: Jesus beruft sich bei seinem heilsamen Tun auf seinen "Vater" im Himmel, auf Gott. "Das darf der nicht!", finden die Frommen. Allerdings kommen sie, nachdem Jesus zu einer Verteidigungsrede angehoben hat, gar nicht mehr zu Wort. Gottes Sohn, ob man es ihm nun glaubt oder nicht, fällt man nicht so leicht ins Wort.
Die "Geschichte" mit dem Sabbat? Geschenkt. Seine kindlich vertrauensvolle Beziehung zu Gott, zu seinem „Vater“, ist für Jesus das zentrale Thema. Er sagt: „Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht.“ (Vers 19)
„Kinder machen nicht das, was wir sagen, sondern das, was wir tun“, argumentiert verblüffend ähnlich der dänische Familientherapeut Jesper Juul. Sie tun es im tiefsten Vertrauen auf ihre Eltern. Mutter und Vater werden schon wissen, was sie tun. Wer, wenn nicht sie? Auf Grundlage solch kindlichen Urvertrauens entwickelt sich ein liebe- und hoffnungsvoller Mensch.
Jesus sagt: „Ihr sucht in den Schriften … das ewige Leben“, nach Hoffnung für euch also (Vers 39). Das tun sie, wirft Jesus ihnen vor, ohne „Liebe zu Gott“ (Vers 42). Muss wohl auch Gott geliebt werden, um sich in unserem Leben, auch in unserem Tun, entfalten zu können?
Es geht im Finale von Jesus’ Verteidigungsrede um den "Gebrauch" der Bibel. Jesus brandmarkt es als Missbrauch, wenn sie zur Selbstrechtfertigung der eigenen „Ehre“ (Vers 44) verwendet wird. Er wirbt unter uns Bibellesern für eine vertrauens- und liebevolle Offenheit dem "Vater" gegenüber. Nur so kommt wirklich er zu Wort und das, was uns glaube-, liebe- und hoffnungsvoll macht!
Autor:Online-Redaktion |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.