Predigttext
Selbstgerecht?

Martin Olejnicki, Kreisjugendpfarrer in Köthen
  • Martin Olejnicki, Kreisjugendpfarrer in Köthen
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Mirjam Petermann

Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne.
Philipper 3, Vers 8 a

Im Gefängnis kommt man zur Ruhe. Man kann nicht mehr herumhetzen und dies und das tun. Es ist auf einmal viel Zeit zum Nachdenken da. Zeit, um auf den Weg zu schauen, der einen an diesen Ort gebracht hat. Zeit zum Reflektieren und Bewerten, zum Abwägen und Verwerfen. Und immer die Frage: Was mache ich mit den Erkenntnissen, zu denen ich an diesem Ort komme?
Paulus nutzt die Zeit im Gefängnis für einen Rückblick auf sein Leben. Er schrieb den Brief an die Philipper sehr wahrscheinlich aus dem Gefängnis, und er lässt sie an seinen Erkenntnissen über seinen bisherigen Weg teilhaben. Leider – muss ich sagen – kommt er damit zunächst ziemlich selbstgerecht daher. Eigentlich genau so wie der alte Saulus, den er nun so geringschätzt. Dreck ist der nun für ihn.

Ich fühle mich dabei an die #Fridaysforfuture erinnert. Die Forderung: „Euer bisheriger Lebensstandard – der bis vor kurzem auch unserer war – ist falsch. Wir fordern euch auf, euch zu ändern!“ Das ist etwas zugespitzt, aber so könnte sie auch von Paulus sein – natürlich ohne die klimapolitischen Hintergründe.
Mir scheint es, dass fast alle Veränderung, die ein Mensch durchmacht, immer gleich auch eine radikale Ablehnung des Alten bedeutet. So gibt es kaum radikalere Nichtraucher als die, die zuvor selbst geraucht haben. Ist das ein Schutz gegen eine mögliche Rückwandlung? Die Angst vor der Rolle rückwärts, die den eigenen mühsamen Weg der Erkenntnis ad absurdum führt?

Für Paulus ist es das nicht. Er fügt seinen Betrachtungen schließlich hinzu, dass er noch nicht vollkommen sei. Dass er immer noch auf dem Weg ist. Dieser etwas demütige Zug versöhnt mich dann wieder ein bisschen mit dem zunächst so selbstgerecht wirkenden Apostel.
Denn ich glaube, die Demut ist eine Stärke unseres Glaubens. Diese Demut, die aus dem Wissen kommt, dass nicht ich selbst es bin, der mich zu einem besseren Menschen macht, sondern dass die Kraft dazu – die Kraft für Veränderung zum Besseren – mir von Gott voller Gnade geschenkt wird. Gott schenkt sie mir, indem er mir meine eigenen Schwächen nicht vorhält. Und er schenkt mir einen Glauben, der mich trägt und mich drängt, meinen Lebensstil immer mal zu hinterfragen. Kurz: der mich demütig macht. Martin Olejnicki

Autor:

Mirjam Petermann aus Eisenach-Gerstungen

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