ANZEIGE

Mehr als die Verlängerung der Vergangenheit

Foto: epd-bild/Heike Lyding
2Bilder

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. 1. Johannes 3, Vers 8b

Hohe Mauern und Stacheldraht; verschlossene Türen und wache Kameras; klare Abläufe und wenig individueller Spielraum. Das ist Alltag im Gefängnis.

Von Helfried Maas

Alles hat seine Ordnung, alles seine Zeit. Viele Menschen hier haben früh gelernt, dass man hart sein muss, um zu bestehen. Vertrauen gilt oft als Risiko, Schwäche als Einladung zur Verletzung. Die Vergangenheit, die eigenen Fehler bestimmen oft das Ansehen bei Anderen – und bei sich selbst.

Wenn die Bibel von den „Werken des Teufels“ spricht, meint sie nicht nur das offen Böse. Im Gefängnis zeigen sie sich oft ganz unscheinbar: fremde Stimmen, die sagen: „Du bist auf deine Tat reduziert. Mehr wird aus dir nicht.“ Und die eigenen Stimmen der Gefangenen: „Ich ändere mich eh nicht mehr.“ Stimmen, die die Menschen oft stärker als die Mauern fesseln, weil sie im Inneren wirken.

Hier spricht der Vers hinein: „Der Sohn Gottes ist erschienen.“ Nicht erst, wenn jemand sein Leben geglättet hat. Nicht nur für die Erfolgreichen und Gewinner. Sondern mitten hinein in die eigene Schuld, die Brüche und verpassten Chancen. Jesus zerstört nicht den Menschen, sondern das, was ihn zerstört: zum Beispiel die Lügen über den eigenen Wert oder die Angst vor einem Neuanfang. Die Wirkung zeigt sich dabei manchmal erst später und vor allem auch unscheinbar: wenn jemand ohne Ausflüchte Verantwortung übernimmt. Wenn Zuhören wichtiger wird als kluge Ratschläge. Wenn ein Mensch beginnt zu ahnen, dass seine Geschichte noch nicht zu Ende erzählt ist und dass Zukunft mehr sein kann als die Verlängerung der Vergangenheit.

Gefängnismauern gibt es nicht nur aus Beton. Auch außerhalb leben Menschen in inneren Zellen aus Schuld, Verletzung, Bitterkeit oder Selbstverurteilung. Die Zusage dieses Verses gilt auch uns: Christus ist gekommen, um das zu durchbrechen, was uns gefangen hält. Freiheit beginnt oft unscheinbar. Und vielleicht fühlt sie sich auch nicht sofort danach an …

Pfarrer Helfried Maas ist  Gefängnisseelsorger in der JVA Arnstadt.

Foto: epd-bild/Heike Lyding
Helfried Maas | Foto: H. Maas
Autor:

Online-Redaktion

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

53 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.