Wort zur Woche
Gut verpackte Herrlichkeit

Foto: epd-bild/Heike Lyding
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Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes 1, Vers 14b

Der Evangelist Johannes braucht nicht viele Worte für die Weihnachtsgeschichte: „Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns“. So bringt er das Unglaubliche knapp auf den Punkt: der ewige Gott wird sterblicher Mensch.

Von Thomas Käßner

Allerdings fragt man sich, was das mit Herrlichkeit zu tun hat. Herrlich ist für mich der erhabene Blick vom Berggipfel in die Weite des Landes, oder die Betrachtung eines beeindruckenden Kunstwerks. Jesu Kommen in diese Welt hat auf den ersten Blick nicht viel mit Herrlichkeit zu tun. Der Sohn Gottes steigt vom Himmelsthron beim Vater in den Futtertrog bei den Tieren. Er tauscht die Ewigkeit mit der Sterblichkeit. Er verlässt Licht und Glanz und wählt dafür Krippe und Kreuz.

Wenn Gott so in unsere Welt kommt, dann ist er im wahrsten Sinne des Wortes ein ziemlich heruntergekommener Gott. Warum tut er sich das an? Es gibt nur eine Antwort: aus Liebe! Nur so findet wieder zusammen, was zusammengehört. Wir hätten uns nicht zu Gott emporarbeiten können; nicht durch moralische Höchstleistungen und nicht durch fromme Glanzleistungen. Deshalb kommt Gott in seinem Sohn zu uns. Er lässt uns nicht allein in unseren Nöten und Ängsten und mit unserem Versagen und Versäumnissen. Gott genügt es nicht, sich in seiner Herrlichkeit zu sonnen. Schon gar nicht möchte er uns mit seiner Herrlichkeit blenden. Vielmehr möchte er mit seiner Herrlichkeit unsere Augen für seine Liebe öffnen.

Deshalb verpackt er sie in einem Kind. So können wir sie sehen – und das nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen – um dann mit dem Liederdichter Paul Gerhard zu singen: „Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen. O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen“.

Der Autor ist Pfarrer i. R., Halberstadt

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Pfarrer Thomas Käßner | Foto: T. Käßner
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Online-Redaktion

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