Predigttext zum Sonntag
Die gelähmte Kirche

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Willst du gesund werden?
Johannes 5, Vers 6 a 

Was für eine scheinbar überflüssige Frage, die Jesus einem Mann stellt, der 38 Jahre lang gelähmt war. Ist nicht Gesundheit das, wonach wir uns alle sehnen? Vermutlich aber hat Kranksein auch einen Gewinn: Ich bekomme Aufmerksamkeit, die ich sonst nicht bekäme; ich werde versorgt und muss mein Leben nicht selbst in die Hand nehmen. Man kann sich in seiner Krankheit gut einrichten.

Gesund werden bedeutet Befreiung von der Last der Krankheit. Es eröffnet ein Leben in Freiheit. Es bedeutet aber auch Verantwortung, verlangt innere Kraft und Stärke, sein neues Leben zu gestalten. Jesu Frage macht dem Kranken deutlich: Bist Du bereit, die Konsequenzen für deine Gesundheit – Neu-Organisation deines Leben, Broterwerb, Aufbau von Beziehungen – zu tragen? Die Antwort des Mannes spricht Bände: Er gefällt sich in seiner Einsamkeit und Opferrolle. Daraufhin sagt Jesus zu dem Mann: „Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!“ Jesus heilt den Mann, indem er ihm zutraut, stark zu sein, ein befreites Leben zu führen, sich selber als kraftvoll und wertvoll zu erleben.

In unserer Zeit verbinden kaum noch Menschen den christlichen Glauben mit ihrer Sehnsucht, gesund und heil zu werden. Der Theologe und Pastoralpsychologe, Michael Klessmann meint: „Das Charisma der Krankenheilung ist aus der Kirche ausgezogen.“ Doch wohin ist es gezogen? Menschen suchen überall Heilung und Befreiung, nur nicht bei uns Christen. Dabei ist das Evangelium Jesu nach wie vor eine Kraft Gottes, die glückselig und gesund macht. Wir müssen uns dafür als Christen nicht schämen.

Derzeit geht es uns als Kirche wie dem Gelähmten: niedergedrückt durch Mitgliederschwund und zunehmenden Bedeutungsverlust; gelähmt durch fehlendes Gottvertrauen und Uneinigkeit. Als seine Gemeinde gilt es, Jesu Stimme ganz neu zu hören: „Steh auf und geh hin!“ Jesus traut uns viel zu!

Wir müssen nur wieder unsere Mitte finden: in die Liebe Gottes „eintauchen“. So werden wir innerlich stark, können aufstehen, ein befreites Leben in Hoffnung und Zuversicht führen. Und „wer bei Gott eintaucht, der taucht bei den Menschen wieder auf!“ Das führt uns heraus aus unseren Sicherheiten und Komfortzonen zu den Menschen; zu den Menschen, die am Boden liegen, um sie aufzurichten. Und mir scheint, darauf warten viele Menschen, wie dieser Mann damals am Teich von Betesda. 

Roland Kutsche, Pfarrer für missionarische Projekte, Meißen

Roland Kutsche, Pfarrer für 
missio-narischeProjekte, Meißen
Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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