Bob Dylan
Der spirituelle Wanderer ist 80

Pilger ohne Ziel: Ende der 1970er entdeckte Dylan die Evangelien – und seine jüdische Herkunft.
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  • Foto: commons.wikimedia.org/Alberto Cabello
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Normalerweise würde er wohl seinen Geburtstag auf irgendeiner Konzertbühne verbringen. Er habe mehr als genug Songs geschrieben, «um bis in alle Ewigkeit spielen zu können», ließ Bob Dylan bereits vor einigen Jahren wissen. In dieser Woche, am 24. Mai, hat der Musikergigant seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Von Holger Spierig

Für seine «poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition» erhielt Bob Dylan im Jahr 2016 als erster Musiker den Nobelpreis für Literatur. Dylan selbst äußert sich über seine Songs in der Regel unwirsch: «Das Letzte, an was ich beim Songschreiben denke, ist, wer was darüber denken könnte», sagte er 2015 bei einer Charity-Veranstaltung der Grammy-Verleihung. «Ich schrieb sie einfach.»

Doch immer, wenn er den Gipfel des Erfolges erreicht hatte, schlug der Musiker eine komplett andere Richtung ein und brachte seine Gefolg-schaft gegen sich auf. In jungen Jahren setzte er sich mit Liedern wie «Blowin’ in the Wind» an die Spitze der Folk- und Protestszene, 1965 griff er zur E-Gitarre und spielte Rockmusik. Als die Gegenkultur Amerikas nahe seinem damaligen Rückzugsort Woodstock ein riesiges Rock-Festival feierte, interessierte Dylan sich für die Country-Musik. Auch die – kurzzeitige – Hinwendung des jüdisch aufgewachsenen Musikers zum fundamentalistischen Christentum in den 80er-Jahren spaltete seine Hörerschaft.

Dylan ist ein spiritueller Wanderer, der angesichts einer aus den Fugen geratenen Welt («World Gone Wrong») rastlos auf der Suche nach Erlösung ist. «Trying to get to Heaven before They close the Door» – auf Deutsch etwa: Versuchen, in den Himmel zu kommen, bevor die Tür zugemacht wird – heißt ein Dylan-Song. So zeigten auch die Songs seiner umstrittenen Gospel-Phase, dass Dylan auf der Suche nach Wahrheit, Erkenntnis und Glauben sei, sagt der Verleger Georg Stein, dessen Palmyra-Verlag fünf Dylan-Bücher veröffentlicht hat.
Dylan nutzte neben den Werken von Rimbaud, Bertolt Brecht oder Beat-Autor Jack Kerouac immer wieder auch die Bibel und die Thora als Steinbruch. «Religion ist in Dylans Werk so allgegenwärtig wie im American Songbook», erklärt der Göttinger Literaturwissenschaftler Heinrich Detering. Er hat zum 80. Geburtstag einen Band mit einer Auswahl von Dylan-Interviews aus 60 Jahren veröffentlicht. In der Zeit seiner christlichen Bekehrung habe Dylan die Evangelien neu entdeckt und sich von dort aus neu seiner jüdischen Herkunft zugewendet.

Bob Dylan wurde 1941 im US-Bundesstaat Minnesota in eine Familie deutsch-ukrainischer Einwanderer jüdischen Glaubens geboren. Neben seinem Geburtsnamen Robert Allen Zimmerman erhielt er auch den hebräischen Namen «Shabtai Zisel ben Avraham». Entgegen den von ihm selbst verbreiteten Mythen war Dylan allerdings kein fahrender Sänger, sondern wuchs in einer Mittelschichtfamilie in Hibbing/Minnesota auf. Sein Künstlername ist wohl eine Verneigung vor dem walisischen Dichter Dylan Thomas (1914–1953).
Nach mehreren Alben mit Sinatra-Songs hat er zuletzt mit «Rough and Rowdy Ways» wieder ein Album vorgelegt, das Kritiker regelrecht begeistert. Hier würden «seine großen Themen noch einmal zusammengeführt, in einer zugleich großen und leichten Abschiedsgeste», sagt Detering. Inzwischen vertreibt Dylan auch eine eigene Whisky-Marke – passend heißt sie «Heaven’s Door». 

(epd)

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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