Blickwechsel
Umweltexperte: Beschlüsse von Glasgow reichen nicht aus

Bis zuletzt rangen die Staatenvertreter beim Klimagipfel um einzelne Formulierungen in der Abschlusserklärung. Der vergangene Woche Samstag verabschiedete «Glasgower Klimapakt» ruft zur Abkehr von der Kohle auf .

Von Holger Spierig 

Die Erklärung formuliert deutlicher als das Pariser Klimaabkommen das Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Umweltorganisationen zogen eine gemischte Bilanz des Gipfels. Auf Druck der Öl-, Gas- und Kohleindustrie fehlten den Beschlüssen nach wie vor Klarheit und Geschwindigkeit. Für Streit bei dem Gipfel hatte neben dem Kohle-Passus bis zuletzt auch die Frage gesorgt, wie besonders arme Staaten bei der Bewältigung von klimabedingten Schäden und Verlusten unterstützt werden sollen. «Brot für die Welt» sprach von einer «herben Enttäuschung» für die Länder des Südens. Anstatt sich solidarisch zu zeigen, habe auch die EU den Vorschlag der G77-Staaten blockiert, beklagte die Klimareferentin des evangelischen Hilfswerkes, Annika Rach.

Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig erklärte: «Es ist schon bitter, dass wieder einmal die von der Klimakrise besonders betroffenen, ärmeren Länder des Globalen Südens an den Rand gedrängt wurden.» Das Climate Action Network verurteilte einen «Verrat» der reichen Länder an den armen.

Die Beschlüsse der Weltklimakonferenz von Glasgow gehen auch nach Einschätzung des kirchlichen Umweltexperten Klaus Breyer zwar in die richtige Richtung, reichen jedoch nicht aus. Trotz des Blicks auf die drohende Katastrophe drifteten die Interessen der Weltgemeinschaft immer noch zu weit auseinander, um eine verbindliche gemeinsame Roadmap für das 1,5 Grad-Ziel von Paris in Kraft zu setzen, sagte der Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft in Schwerte.


"Die Bewahrung der Schöpfung ist Auftrag der Kirche. Dazu gehört auch klimapolitisches Engagement"

«Die Verabschiedung einer Regelung, um die immer größeren Schäden und Verluste durch den Klimawandel auszugleichen – besonders wichtig für die ärmsten Länder – scheiterte erneut», kritisierte der Theologe. Es gebe zwar Zeichen für Veränderungen, wenn beispielsweise im Glasgower Klimapakt erstmalig der Ausstieg aus der Kohle als wesentlich für einen erfolgreichen Klimaschutz benannt werde, sagte der Leiter des Instituts der westfälischen Kirche. Die Aufforderung, «rasche, tiefe und nachhaltige Schritte» zu gehen, nationale Klimapläne umgehend nachzubessern und die Subventionierung fossiler Energien zu beenden, wiesen in die richtige Richtung. Auch würden freiwillige Initiativen von Staaten eine neue Dynamik schaffen.

Der Gesamtprozess verlaufe jedoch viel zu langsam, monierte der Umweltexperte. Damit dieser beschleunigt werde, komme es jetzt auf das Handeln auf nationaler Ebene an. Die neue Bundesregierung müsse umgehend mit einem deutlich ambitionierteren Programm in die Umsetzung des Klimaschutzes starten. Die Bewahrung der Schöpfung sei auch ein Auftrag der Kirche, sagte Breyer. Dazu gehöre klimapolitisches Engagement gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen.

(epd)

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