UN-Beauftragte über sexuelle Gewalt in Kriegen
Stärker im Bewusstsein

Vor zehn Jahren wurde erstmals eine UN-Beauftragte zu sexueller Gewalt in Konflikten eingesetzt. Die derzeitige Amtsinhaberin, die Frauenrechtlerin Pramila Patten (60) aus Mauritius, stellte am Dienstag dem UN-Sicherheitsrat ihren Jahresbericht vor. Natalia Matter sprach mit ihr.

Wie weit ist sexuelle Gewalt in Konflikten verbreitet?
Patten:
Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist Teil der Strategie in Konflikten. Sie wird eingesetzt, um den Gegner zu schwächen, unerwünschte Gruppen zu vertreiben, sich Land oder andere Ressourcen anzueignen. Verlässliche Zahlen kann man kaum erhalten, weil die Dunkelziffer bei diesen Verbrechen enorm hoch ist. Viele Konfliktgebiete sind zudem nicht erreichbar für humanitäre Helfer und Menschenrechtsbeobachter.

Was kann unter diesen schwierigen Bedingungen getan werden?
Patten:
Wir arbeiten daran, mobile Polizeistationen und Gerichte einzusetzen und unterstützen die Mitgliedsstaaten bei der Überarbeitung des Strafrechts, bei umfassendem Opfer- und Zeugenschutz. Wir trainieren Richter, Anwälte, Staatsanwälte und Polizisten. Zusammen mit weiteren UN-Organisationen arbeiten wir daran, dass es mehr qualifiziertes medizinisches Personal gibt, das sexuelle Gewalt feststellen und behandeln kann. Sie sind entscheidend für die Beweisführung.

Was wurde seit Einrichtung der UN-Beauftragung vor zehn Jahren erreicht?
Patten:
Heute gibt es ein viel größeres Bewusstsein für das Thema. Sexuelle Gewalt gilt nicht mehr als unvermeidbare Nebenerscheinung des Krieges, die Opfer gelten nicht mehr als Kollateralschaden.
Frauen brechen zunehmend ihr Schweigen. Es gab in jüngster Zeit mehrere wichtige Gerichtsverfahren dazu im Kongo oder im Südsudan. Armeen beschließen eine Null-Toleranz-Politik bezüglich sexueller Gewalt durch Soldaten oder planen eine solche.
(epd)

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