Bosnien-Herzegowina
Situation schlimmer als auf Lesbos

Die Situation der Flüchtlinge im Norden von Bosnien-Herzegowina ist nach Einschätzung des Mainzer Arztes Gerhard Trabert noch dramatischer als in den berüchtigten Flüchtlingslagern auf Lesbos. «Wie hier die Menschen hausen, ist unglaublich», sagte der Vorsitzende des Hilfsvereins «Armut und Gesundheit in Deutschland» aus der Stadt Bihac. Die Männer aus Ländern wie Afghanistan und Pakistan hätten oft keine Winterkleidung. Viele hausten in Ruinen oder leerstehenden Fabrikhallen ohne Wasser und Strom.

«Viele tragen Flipflops und besitzen weder Schuhe noch Strümpfe», sagte der Arzt, der seit Jahren regelmäßig zu Hilfseinsätzen in Krisenregionen reist. Vor Ort, wenige Kilometer von der EU-Außengrenze zu Kroatien entfernt, habe es in den vergangenen Tagen kräftig geschneit, die Flüchtlinge versuchten, sich mit offenen Feuern vor dem Erfrieren zu retten: «Es würde mich nicht wundern, wenn hier Menschen sterben.» Einige der Männer hätten infizierte Wunden, unter Flüchtlingen grassiere die Krätze, außerdem gebe es viele Menschen mit Atemwegserkrankungen. Eine medizinische Versorgung vor Ort existiere nicht.

Trabert hatte vor einigen Tagen mit vier Begleitern aus Mainz winterfeste Schlafsäcke, Isomatten, Unterwäsche und Mützen für die Notleidenden nach Bosnien gebracht und wollte noch bis Ende der Woche vor Ort bleiben. An den Arbeitsbedingungen für Hilfsorganisationen übte er scharfe Kritik. «Ein Konzept für eine systematische Versorgung fehlt.» Zwischen staatlichen Behörden und Nichtregierungsorganisationen gebe es keine Kooperation, dafür sehr viel Misstrauen.

So hätten die bosnischen Behörden auch ihm bislang nicht erlaubt, mit seinen beiden für den Hilfstransport genutzten Arztmobilen Kranke zu behandeln. «Dabei könnten wir hier wirklich etwas tun», erklärte Trabert. An die EU-Staaten appellierte er, sich auf eine Aufnahme der Menschen zu verständigen, statt sie weiter ihrem Schicksal zu überlassen. «Es erschüttert und macht wütend, wenn man dann in Deutschland die Statements von Politikern wie Friedrich Merz liest», so Trabert. Der Kandidat für den CDU-Bundesvorsitz hatte sich Anfang Januar strikt dagegen ausgesprochen, weitere Flüchtlinge aus griechischen oder bosnischen Elendslagern aufzunehmen. Karsten Packeiser (epd)

Autor:

Mirjam Petermann aus Eisenach-Gerstungen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen