Kroatien: Das ganze Leben als Bekenntnis

Pfarrer Ladislav Csoma feiert mit den Christen in Split und den sächsischen Gästen Gottesdienst.
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Split ist für Kroatien-Reisende ein Muss. So auch für Christen aus Sachsen. Während ihres Aufenthaltes in Dalmatien besuchten sie einen Tag lang die Hafenstadt an der Adria. Zum Abschluss des Aufenthaltes feierten die Besucher einen gemeinsamen Gottesdienst mit evangelischen Christen aus Split. Eine kleine Gemeinde fand sich in einem Raum zusammen, der jegliche angemessene Ästhetik für diesen Anlass vermissen ließ. Im Gespräch mit Ulrich Wickel berichtet der Bischof der Reformierten Christlichen (Calvinistischen) Kirche in Kroatien, Péter Szenn, von der Situation der Christen in dem südeuropäischen Land.

Wie steht es um die Reformierte Kirche in Kroatien?
Péter Szenn:
In Split und überhaupt an der Adria gibt es keine reformierten Gemeinden. Das bedeutet aber nicht, dass es verteilt keine reformierten Christen gäbe. Diejenigen, die einmal dorthin gezogen sind und jetzt dort leben, müssen wir zunächst einmal finden und aufsuchen. Ihre Erfassung kann dann als Grundlage zur Gründung einer reformierten Missionsgemeinde dienen, aus der sich später eine richtige Gemeinde entwickeln kann – für die Einheimischen, aber auch die in- und ausländischen Touristen, die nur eine kurze Zeit an der Küste verbringen.

Kroaten sind überwiegend katholisch. Kann die Gesellschaft als besonders religiös verstanden werden?
Ja, Kroatien ist ein katholisches Land – alle anderen Denominationen zusammen mit den Konfessionslosen machen nur etwas mehr als zehn Prozent der Bevölkerung aus, darunter wir Protestanten nicht einmal ein halbes Prozent. Im Vergleich zu den westeuropäischen Ländern kann die Gesellschaft auf jeden Fall als besonders religiös verstanden werden: die (katholische) Kirche prägt nicht nur das gesellschaftliche Leben sehr stark, sondern auch das private. Natürlich gibt es auch viele Menschen, die sich nur Christen nennen, und auch der Liberalismus ist in vielen Bereichen des Lebens immer stärker präsent.

Welchen spezifischen Herausforderungen sehen sich evangelische Christen gegenüber?
Da unsere Kirche so winzig ist und wir größtenteils in zweifacher, in einer religiösen und in einer sprachlichen, Minderheit leben, ist unseren Mitbürgern nicht immer ganz klar, wer wir überhaupt sind. Diese Tatsache bietet aber zugleich für uns die Möglichkeit zum Bekenntnis. Oft ist sie nicht nur eine Möglichkeit, sondern ein Zwang. Damit wird aber auch die Verantwortung für uns Pfarrer viel größer: dass wir unsere Dienste – von der Taufe angefangen durch den Religionsunterricht und Familienbesuche bis zu den Predig-ten – wirklich gewissenhaft ausführen.

Gibt es ökumenische Kontakte zur katholischen Kirche und zu anderen christlichen Konfessionen?
Wir haben gute Kontakte zu allen christlichen Konfessionen, sehr gute Beziehungen natürlich zur evangelisch-lutherischen Kirche. Aber da sie in den Dörfern, wo sich unsere Kirchengemeinden größtenteils befinden, nicht vertreten ist, ist die Zusammenarbeit mit einigen katholischen Pfarrern viel reger. So haben wir beispielsweise am letzten Septembersonntag in Kórógy am örtlichen Denkmal im Rahmen einer gemeinsamen katholisch-reformierten Liturgie der Opfer des Balkankrieges gedacht. Auch in den Schulen, in denen wir Religionsunterricht halten, kommt es manchmal vor, dass wir alle Kinder zu einer ökumenischen Religionsstunde zusammenziehen.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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