Weihnachtsgeschenke
Vom Dörrobst zur fliegenden Fee

Foto: pexels/Liza Summer

Weihnachten ist traditionell eine Zeit, mit einem Geschenk anderen eine Freude zu machen. Dass Kinder dabei besonders im Fokus stehen, scheint heute selbstverständlich, war aber nicht immer so.

Von Anne-Dorle Hoffgaard 

Weihnachten ist auch Geschenke-Zeit, insbesondere für Kinder. Was heute selbstverständlich scheint, war jedoch nicht immer so. «Das emotional aufgeladene Weihnachtsfest mit Weihnachtsbaum, Geschenken und Familienzusammenkunft, wie wir es heute kennen, geht auf die Etablierung des Bürgertums in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück», sagt die Volkskundlerin und Professorin Heidrun Alzheimer von der Universität Bamberg (Bayern). Die damaligen politischen Unruhen hätten zu einem Rückzug ins Private geführt und zur Ausbildung familiärer Festlichkeiten, zu denen auch das Ostereier-Bemalen, die Osternest-Suche oder die Geburtstagsfeier mit Kaffee und Kuchen zählen.

Der erste bekannte Nachweis von Weihnachtsgeschenken für Kinder stamme von Katharina Luther (1499-1552), der Ehefrau des Reformators Martin Luther (1483-1546). Sie habe in ihrem Haushaltsbuch von 1531 Ausgaben für Geschenke im Namen des «Heiligen Christ» festgehalten. 

«Zu Martin Luthers Zeiten erhielten die Kinder Süßigkeiten, Äpfel und Birnen, auch in Form von Hutzeln (Dörrobst). Spielzeug und 'Tand' kamen erst mit der Verbürgerlichung des Weihnachtsfestes in Mode», erklärt die Volkskundlerin.

In ihrem Buch «Von Brautkrone bis Erntekranz» berichtet Heike Müns, dass Kinder Mitte des 19. Jahrhunderts im Bauerndorf im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin - je nachdem, was sich ihre Eltern leisten konnten - zu Weihnachten notwendige Kleidungsstücke bekamen. Kinder, die nächstes Ostern in die Schule sollten, erhielten eine Fibel und ein Schreibbuch. «Spielzeug wird selten erwähnt», schreibt Müns. Und wenn, dann sei es nicht nur in Tagelöhnerfamilien oft selbst hergestellt worden, um die Ausgaben niedrig zu halten.

Selbst hergestelltes Spielzeug scheint in der heutigen Zeit indes eher die Ausnahme bei den Spielzeug-Geschenken in Deutschland zu sein. «Vor 20 Jahren waren Klassiker wie Baby Born, die Carrera Autorennbahn oder das Spiel Die Siedler von Catan die Highlights unter dem Weihnachtsbaum», informiert Franziska Köster, stellvertretende Geschäftsführerin beim Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (Köln).

«Fliegende Feen, die sich per Handbewegung steuern lassen, gehörten vor zehn Jahren zu den innovativsten Spielzeugen des Jahres», sagt Köster. Und 2023? «Basteln, bauen, experimentieren - individuelle Kreativität liegt dieses Jahr hoch im Kurs.» Aber auch Spielzeuge mit Virtual-Reality-Komponenten, der Klassiker Furby oder das Trend-Thema Barbie seien nicht wegzudenken.

Gordon Bockhold, der in der Schweriner Innenstadt zwei Läden mit traditionsreichem Spielzeug hat, berichtet, dass zur Weihnachtszeit Puppen, Kinderküchen und Kaufmannsläden besonders nachgefragt sind.
Puppenstuben seien hingegen seit Jahren eher rückläufig, sagt der 53 Jahre alte Ladeninhaber. Der Renner seien aber die Herrnhuter Sterne. Vielfach würden diese beleuchteten Sterne auch im Kinderzimmer hängen.

(epd)

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Online-Redaktion

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