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1988: Hilferuf vom Christopherushof

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Seit 40 Jahren arbeitet Bettina Schmidt im Dienst der Diakonie. Die Vorsitzende des Geschäftsbereichs Eingliederungshilfe Arbeit der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein hat als Jugendliche 1985 in der Stiftung Finneck in Rastenburg ein diakonisches Jahr absolviert. 1988 kam sie nach Altengesees zur Evangelischen Stiftung Christopherushof.

Bewogen zu einer Bewerbung hatte sie ein Gesuch in der Kirchenzeitung "Glaube+Heimat". In der Ausgabe vom 10. Juli 1988 berichtete Pfarrer Friedhelm Kalkbrenner über die Geschichte des Christopherushof, die Anstrengungen, die man hier mit Blick auf die "anempfohlenen" Menschen unternahm und sandte einen "SOS-Ruf ins Land". Lesen Sie hier den Beitrag.

"Christopherushof Altengesees..."

So meldet sich seit kurzem am Telefon eine Stimme, wenn Sie Thimmendorf 238 wählen. Den Namen gibt es erst seit ganz kurzer Zeit, das Heim schon sehr lange.

Die kleine Kirchgemeinde Altengesees bei Lobenstein hat 1920 da durch für Aufregung gesorgt, daß sie der neu gegründeten Thüringer Evangelischen Kirche als einzige aus dem Hause Reuß j. L. bis auf eine Familie nicht beitrat. Als diese Familie 1927 ihr Gut an die Landeskirche verkaufte, wurde das kleine Haupthaus zu einem Erziehungsheim für gefährdete Jugendliche umgebaut. Am 31. Oktober 1928 weihte der Landesoberpfarrer unter starker Beteiligung aus 14 umliegenden Orten das Heim ein.

In der Ausgabe vom 10. Juli 1988 berichtete Pfarrer Friedhelm Kalkbrenner über die Geschichte des Christopherushof, die Anstrengungen, die man hier mit Blick auf die "anempfohlenen" Menschen unternahm und sandte einen "SOS-Ruf ins Land". | Foto: Ramona Schurig
  • In der Ausgabe vom 10. Juli 1988 berichtete Pfarrer Friedhelm Kalkbrenner über die Geschichte des Christopherushof, die Anstrengungen, die man hier mit Blick auf die "anempfohlenen" Menschen unternahm und sandte einen "SOS-Ruf ins Land".
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Hier sollte bewiesen werden, daß der Glaube in der Thüringer evangelischen Kirche durch die  die Liebe lebendig ist . Ein schwer zu führender Beweis. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Mal gelingt's, mal geht's schief. 

Aus dem Erziehungsheim war in den dreißiger Jahren ein mehr oder weniger kirchlicher "Jugendwerkhof" geworden. Die Belegungszahl von 27 Jungen wurde 1943 durch staatliche Anweisung kurzerhand verdoppelt: Doppelstockbetten - so einfach ist das.

Junge Männer im Glauben zu Christus zu führen, dieses Ziel verschwand in der Ferne. Mühsam, aber mit viel Gottvertrauen, schleppt eine kleine Mitarbeiterschar ab 1945 die "Zöglinge" durch die Zeiten, pflegebefohlene Hilfsschüler, die den kargen Acker im Oberland bearbeiten.

Ab 1953 wird aus dem Erziehungsheim ein Pflegeheim für sogenannte "Bildungsunfähige". Gemeint sind Jungen, die keine Schule besuchen können. 1970 bestätigt der Rat des Kreises Lobenstein die erneut nötig gewordene Profilierung, woraus ein Arbeitstherapiebetrieb hervorgegangen ist. "Förderung und Rehabilitation" stehen im Vordergrund.

Seit dem gibt es da eine Werkhalle, in der mit einer Spezialmaschine Betonelemente produziert werden: begehrte Schalsteine. Etwa zwei Drittel der 48 Heimbewohner mit geistiger Behinderung leisten hier anerkannt gute Arbeit. Der Heimarzt legt die arbeitstherapeutisch zulässige Arbeitszeit fest.

Kaum zu glauben, aber wahr: nach dem in Eigenleistung ein Sozialgebäude entstanden ist (umkleiden, waschen, essen), sind seit Ende 1984 alle damit beschäftigt, ein schönes Wohnhaus zu bauen. Vielleicht können es die 48 künftigen Bewohner schon nächstes Jahr beziehen?

Die Last der Förderung und Betreuung ruht jetzt noch auf zu wenigen Mitarbeitern. Lebenspraktische Begleitung, Förderung als Ganztagsprozeß, gestaltete Freizeit in Hobbygruppen - alle diese guten Möglichkeiten können nicht ausgeschöpft werden. Ein SOS-Ruf ins Land : Mitarbeiter gesucht! Wer meldet sich? (Die Landschaft ist da oben noch in Ordnung)

Seit 40 Jahren arbeitet Bettina Schmidt im Dienst der Diakonie. Die Vorsitzende des Geschäftsbereichs Eingliederungshilfe Arbeit der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein hat als Jugendliche 1985 in der Stiftung Finneck in Rastenburg ein diakonisches Jahr absolviert, bevor sie 1988 nach Altengesees zur Evangelischen Stiftung Christopherushof kam. | Foto: Beatrix Heinrichs
  • Seit 40 Jahren arbeitet Bettina Schmidt im Dienst der Diakonie. Die Vorsitzende des Geschäftsbereichs Eingliederungshilfe Arbeit der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein hat als Jugendliche 1985 in der Stiftung Finneck in Rastenburg ein diakonisches Jahr absolviert, bevor sie 1988 nach Altengesees zur Evangelischen Stiftung Christopherushof kam.
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Wer aber denkt, dieses Heim erstickt in seinen Sorgen, der irrt doch gründlich. 1987: die heruntergekommene Kirche wird von Heimhandwerkern vollkommen erneuert. Natürlich unter Einschaltung der Bauaufsichtsbehöre (Kreiskirchenamt). 1988: die 200 Jahre alte Gerhardt-Orgel wird durch Orgelbaumeister Norbert Sperschneider und seine Mitarbeiter auf Heimveranlassung restauriert. Bezahlt hat das alles nicht die Landeskirche, sondern das Heim. "Wir sind nicht neidisch, sondern dankbar dafür", hat ein Pfarrer gesagt.

Vorstand und Heimleitung und mancher Mitarbeiter hat in den vergangenen Jahren gemerkt: Christus trägt uns durch die Zeiten. Das ist die Umkehrung der Erfahrung: Wir tragen Christus an unserem Leibe!

Die Antwort auf einen SOS-Ruf

Deswegen ist es gar nicht so weit hergeholt, wenn das Heim seit dem 5. Juni 1988 den Namen "Christopherushof" trägt. Und wer da mal hinführt, "hinter die 7 Berge", der soll sich von den Hauseltern Reisgies, die seit 1956 dort die Leitung haben, oder von Mitarbeitern, die erst kurze Zeit da leben, oder von den großen, neugierigen und freundlichen Jungen und Männern alles genau zeigen lassen: die Betonsteine und den engen Schlafsaal, die möglichen Mitarbeiterwohnungen  und das fast fertige Wohnhaus, die Keramikwerkstatt und die Wanderwege.

Und keiner soll erschrecken, wenn dieser das Leiden Christi sichtbarer an seinem Leib trägt als jener. Wir gehören zusammen. Jeder ist ein Teil des Ganzen.

(kb) 

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In der Ausgabe vom 10. Juli 1988 berichtete Pfarrer Friedhelm Kalkbrenner über die Geschichte des Christopherushof, die Anstrengungen, die man hier mit Blick auf die "anempfohlenen" Menschen unternahm und sandte einen "SOS-Ruf ins Land". | Foto: Ramona Schurig
Seit 40 Jahren arbeitet Bettina Schmidt im Dienst der Diakonie. Die Vorsitzende des Geschäftsbereichs Eingliederungshilfe Arbeit der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein hat als Jugendliche 1985 in der Stiftung Finneck in Rastenburg ein diakonisches Jahr absolviert, bevor sie 1988 nach Altengesees zur Evangelischen Stiftung Christopherushof kam. | Foto: Beatrix Heinrichs
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Beatrix Heinrichs

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