Landesposaunenfest
Rosenblüte und Posaunenklang
- Jakobikirche: Eine, im wahrsten Sinne des Wortes, "geneigte" Zuhörerin beim Landesposaunenfest. Am Markt unweit der gotischen Hallenkirche wird unter anderem zur Abendserenade eingeladen.
- Foto: stock.adobe.com/Sina Ettmer
- hochgeladen von Online-Redaktion
Zum Landesposaunenfest in Sangerhausen werden unter dem Motto "Atme – wachse – blühe" am 20. und 21. September 500 Bläser aus 80 Chören in der Rosenstadt erwartet. Auch der Posaunenchor Martini-Luther aus Erfurt ist dabei – einer der besten Laien-Blechbläserensembles Deutschlands.
Von Julia Reinard
Für die Ohren von Laien mutet es wie eine Geheimsprache an, mit der sich die Musiker des Erfurter Posaunenchors Martini-Luther während ihrer Probe verständigen. „Ab der Zweiundzwanzig“, ruft Chorleiter Andreas Griesbach seinen Mitspielern zu – und neun andere Musiker setzen noch einmal ein: ab dem Takt 22 des Stückes „Seid fröhlich in Hoffnung“. Wie an jedem Freitag sitzen sie im Halbkreis im Gemeindezentrum am Roten Berg in Erfurt, vor sich Notenständer, in den Händen die glänzenden Instrumente. Dieses Mal proben sie für den Auftritt beim Landesposaunenfest der EKM in Sangerhausen.
Unter dem Motto „Atme – wachse – blühe“ treffen sich etwa 500 Bläser aus 80 Posaunenchören der Landeskirche am 20. und 21. September in der Berg- und Rosenstadt. Das Posaunenwerk der EKM hat gemeinsam mit dem gastgebenden Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet.
- Chorleiter Andreas Griesbach probt mit dem Posaunenchor im Gemeindezentrum.
- Foto: Julia Reinard
- hochgeladen von Beatrix Heinrichs
Nach dem Auftakt auf dem Marktplatz am Samstagvormittag wird zu Workshops eingeladen. Beschlossen wird der Tag mit einer Abendserenade auf dem Markt (18 Uhr), gefolgt von einem Konzert mit dem Duo Fjarill in der Jakobikirche (20 Uhr). Höhepunkt am Sonntag ist der Gottesdienst im Europa-Rosarium um 11 Uhr. Im Anschluss werden die Chöre das Rosarium auf kleinen "Inseln" zum Klingen bringen – auch der Posaunenchor Martini-Luther wird dabei sein.
Ihren ersten Auftritt hatten die Bläser im Advent 2013. Das Repertoire des Chors reicht von Chorälen über klassische Musik bis zu Volksliedern und neuzeitlicher Bläsermusik. Auf das gemeinsame Musizieren in Sangerhausen bereiten sie sich mit einer Notenausgabe vor, die extra für das Landesposaunenfest erstellt wurde. Sie enthält sowohl traditionelle als auch zahlreiche neue Kompositionen.
"Wenn du von der Probe wiederkommst, bist du ganz anders drauf."
Vier Posaunen, sechs Trompeten, zwei Tenorhörner und ein Baritonhorn zählt der Erfurter Chor. Eine bewährte Mischung, erklärt Griesbach. Er habe als Achtjähriger im Posaunenchor der Kirchengemeinde in Unterwellenborn angefangen zu blasen, sein Instrument war die Trompete – und sie ist es bis heute. Nun sitzt er im Probenhalbkreis außen, gibt mit der Trompete am Mund ab und zu Handzeichen zum Einsatz und baldigem Ende eines Stückes.
- Claudia Neumann und Johannes Griesbach
- Foto: Julia Reinard
- hochgeladen von Beatrix Heinrichs
Nicht selten kommt der ein oder andere Hinweis aus dem Chor. So zum Beispiel von Landesposaunenwart Matthias Schmeiß, der anregt, eine der Noten etwas breiter zu spielen. Gesagt, getan. Griesbach hebt die Hand, sie beenden die Sequenz, nehmen die Instrumente von den Mündern und lächeln zufrieden. Claudia Neumann schwärmt, Hinweise wie diese mögen klein sein, aber sie könnten einen großen Unterschied machen. "Es klingt danach wirklich anders", sagt sie. Seit neun Jahren schon ist sie Mitglied im Posaunenchor Martini-Luther und schätzt dessen Qualität und Anspruch.
Dass beides bei Martini-Luther Hand in Hand geht, bestätigte zuletzt eine unabhängige Jury: Im Juni hatte der Chor beim Deutschen Orchesterwettbewerb in Wiesbaden den zweiten Platz errungen. Zuvor hatten sich die 15 Bläserinnen und Bläser beim „Orchester-Atelier“ des Thüringer Landesmusikrates in Gotha im vergangenen November für die Teilnahme auf Bundesebene qualifiziert. Unterstützung bei der Vorbereitung erhielt der Chor durch Landesposaunenwart Matthias Schmeiß.
Das Erstaunen über die Platzierung sei groß gewesen, sagt Chorleiter Griesbach. Claudia Neumann ist sicher, das gute Abschneiden sei nicht nur der guten Besetzung, sondern auch dem sauberen und exakten Spiel zu verdanken gewesen. Damit das auch bei Konzerten abrufbar ist, übe sie neue Stücke immer vorab zu Hause, erklärt Neumann, die erst mit 50 Jahren begonnen hat, Posaune zu erlernen. Immer habe sie schon in Gemeinschaft Musik machen wollen, erzählt die 60-Jährige.
Heute genießt sie es, gemeinsam zu spielen – und die Kirche mit „schönem Klang“ zu erfüllen, ob in der Probe, beim Gottesdienst oder für Jubilare in der Gemeinde. „Es nährt die Seele“, findet sie. Die Folge dieser Seelennahrung nehme auch ihr Mann wahr und hätte einmal zu ihr gesagt: „Wenn du von der Probe wiederkommst, bist du ganz anders drauf."
Autor:Online-Redaktion |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.