Elly-Viola Nahmmacher
Freundeskreis will Vermächtnis bewahren
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Greiz hat viele große Namen hervorgebracht bzw. war Lebensmittelpunkt für Persönlichkeiten ihrer Zeit. Einer dieser großen Namen ist Elly-Viola Nahmmacher (1913-2000). Sie zählt zu den bedeutendsten deutschen Schöpfern religiöser Kunst des 20. Jahrhunderts. Sie lebte über 50 Jahre im thüringischen Greiz, wo sie fast ihr ganzes umfangreiches Werk schuf, vor allem christliche Motive. In mehr als 100 Städten Deutschlands – von Hamburg über Wuppertal und Würzburg bis Stuttgart, Berlin, Dresden, Chemnitz u. Leipzig – sind ihre Werke in öffentlichen Gebäuden und Kirchen zu finden.
Das künstlerische Schaffen von Elly-Viola Nahmmacher verlief zu DDR-Zeiten aufgrund ihrer christlich geprägten Kunstauffassung nicht ohne Probleme. Ihre Arbeiten entsprachen nicht der Kunstauffassung, dem „sozialistischem Realismus“, in der DDR. Umso bemerkenswerter ist der Fakt, dass sie 1955 mit drei Werken auf der ersten Documenta in Kassel vertreten war. Der persönliche, dem gesellschaftlichen Leben geschuldete Rückzug der Künstlerin auf christliche Kunst und das Ausgeschlossensein vom Kunstbetrieb der DDR sind schwerwiegende Gründe für das in Vergessenheit geratene künstlerische Schaffen.
Nach der Wende erlebte Elly-Viola Nahmmacher eine kurze Renaissance. 1992 erhielt Nahmmacher die Bürgermedaille der Stadt Greiz in Gold und 1994 dann das Bundesverdienstkreuz.
Obwohl die kulturhistorische Bedeutung des Oevres dieser außergewöhnlichen Bildhauerin sich kaum zu hoch einschätzen lässt, erfährt ihr noch unerforschtes Werk bislang nicht die Aufmerksamkeit, die seiner künstlerischen und zeitgeschichtlichen Bedeutung angemessen wäre.
Das Schicksal der Greizer Bildhauerin belegt sehr deutlich, dass folgenschwere Eingriffe in persönliche Lebensläufe durch die Staatsmacht der DDR weiter wirken können, wenn sie nicht öffentlich korrigiert werden. Das Werk Nahmmachers zu ehren und zu fördern, heißt, gegen das Vergessen anzukämpfen. Das deutliche Bekenntnis und eine breite Wertschätzung sind der beste und geeignetste Weg, um ihrem vielbewunderten, ausgegrenzten, auch oft unverstandenen Werk eine Zukunft zu geben.
Im Jahr 2024 formierte sich in Greiz ein Nahmmacher-Freundeskreis, dem es darum geht, das Renommee der Künstlerin angemessen zu würdigen und die Strahlkraft ihrer Werke zu wahren, ihr Schaffen einer breiten Öffentlichkeit dauerhaft sichtbar und zugänglich zu machen.
Wer Nahmacher ganz nah erleben will, wird mit etwas Hilfe natürlich auch in Greiz fündig. In der katholischen Herz-Jesu-Kirche befindet sich wohl ihr reifstes religiöses Werk, der Greizer Kreuzweg, den sie 1983 geschaffen hat. Seit der Entwidmung der Aubachtaler Kirche im Jahre 2021, steht der Flügelaltar, eines der bekanntesten Werke von ihr, als Leihgabe in der Schlosskirche des Oberen Schlosses. Die Evangelische Kirche St. Marien zu Greiz bietet nach der Veräußerung des Gemeindehauses Siebenhitze bzw. der Aubachtaler Kirche den Kunstwerken, die Nahmmacher eigens für diese Räumlichkeiten schuf, eine neue Heimat. So entstand eine kleine Dauerausstellung auf der 1. Empore.
Ebenfalls auf der 1. Empore steht seit Neustem die „Feuerapokalypse“, eine Skulptur, die die Greizer Bildhauerin im Jahr 1977 für das Grabmal des evangelischen Seelsorgers Oskar Brüsewitz gestaltete, der sich 1976 aus Protest gegen die Kirchenpolitik der DDR-Regierung auf dem Markt in Zeitz selbst verbrannte. Das Kunstwerk stieß der SED besonders auf und durfte nicht auf dem Grab aufgestellt werden. Es wurde von der Staatssicherheit zuvor konfisziert. Der langjährige Partnerpfarrer Jochen Desel (1929–2023) und Freund des Oskar Brüsewitz holte die „Feuerapokalypse“ in die Partnergemeinde von Zeitz nach Hofgeismar, wo er das Kunstwerk im Westeingang der Altstädter Kirche aufstellen ließ. Von dort wurde es im November 2025 der Greizer Kirchgemeinde übergeben. Zum Empfang dieser Skulptur veranstaltet die Ökumenische Akademie Ostthüringen mit dem Nahmmacher-Freundeskreis am 2. Oktober 2026, um 15 Uhr im Oberen Schloss Greiz ein öffentliches Symposion mit anschließendem Festakt. Es werden sowohl die Vorgänge um die Selbstverbrennung des oppositionellen Pfarrers, der seinen Suizid als „politische Aktion“ verstand, als auch die Situation um die Erschaffung der Schnitzarbeit „Feuerapokalypse“ und ihre Wege nachgezeichnet.
Um die Sichtbarkeit Nahmmachers weiter voranzubringen, gab es Gespräche zwischen dem Nahmmacher-Freundeskreis und der Greizer Tourist-Information, die das Thema Nahmmacher stärker in das vorhandene Führungsangebot einbinden wird. Im Rahmen der Kirchen- und Friedhofsführungen kann man nun Nahmmacher auf verschiedene Weise begegnen. Sei es ihr Wohnhaus in der Carolinenstraße 63, welches über fünf Jahrzehnte ihr Lebensmittelpunkt war. Oder man geht auf den Neuen Friedhof, wo sie am 27.05.2000 an der Seite ihres Mannes beigesetzt wurde.
Weiteres Ziel des Nahmmacher-Freundeskreises ist es, für die abstrahierende, oft in ihrer Aussage ungewohnte, überaus moderne, manchmal revolutionäre Kunst der Greizer Bildhauerin eine umfassende Dauerausstellung in ihrer Heimatstadt zu etablieren.
Ihr Oeuvre umfasst schätzungsweise 5.000 Arbeiten. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Anzahl noch erhöhen wird. Denn Nahmmacher hat viele Ihrer Skulpturen auch an Privatpersonen vergeben, manchmal sogar verschenkt. Durch den Nachlass-Verwalter, Winfried Arnhövel aus Greiz, wurde seit vielen Jahren ein Werkverzeichnis aufgebaut. Diese Mammut-Aufgabe wird jetzt durch den Nahmmacher-Freundeskreis fortgesetzt. Dabei spielen Zufälle oder weitläufige Bekanntschaften oder Vernetzungen oft eine entscheidende Rolle. Sollten Sie entsprechende Hinweise zum Verbleib von Nahmmacher-Arbeiten haben, nimmt der Nahmmacher-Freundeskreis diese gern entgegen. Werden neue, noch nicht registrierte Arbeiten ausfindig gemacht, erfolgt eine Erfassung in Bild und Wort mit Angabe des aktuellen Standortes. Das Werk selbst verbleibt bei seinem Eigentümer. Der Nahmmacher-Freundeskreis ist unter folgender E-Mail-Adresse erreichbar: nahmmacher-freundeskreis@gmx.de
Im Namen des Nahmmacher-Freundeskreises für Ihre Unterstützung herzlich dankend, Katja Lux
https://www.kirchengemeinde-greiz.de/nahmmacher-freundeskreis/
Autor:Katja Lux |
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