Gebietswoche
Herzstück der Ökumene
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Wie ist es um die Einheit der Christen bestellt? Nicht so schlecht, wie man meint, findet unser Autor. Das zeige das gemeinsame Gebet – eine Erfolgsgeschichte.
Von Christopher Easthill
Es ist kaum noch vorstellbar, dass es anfangs Vorbehalte gab, mit Angehörigen anderer christlichen Konfessionen gemeinsam zu beten. Diese sind längst überwunden, denn die unterschiedliche Gebetspraxis der Kirchen und Traditionen wird immer wieder neu zur Bereicherung der eigenen Spiritualität.
Was uns besonders im Gebet beschäftigt: Wir beten zum Beispiel gemeinsam für den Frieden, mit übergreifenden Aktionen wie der Ökumenischen Friedensdekade. In meiner Gemeinde Wiesbaden gibt es ein wanderndes Friedensgebet, das über einen Monat von Gotteshaus zu Gotteshaus geht – ökumenisch und interreligiös. Wir beten gemeinsam für die Bewahrung der Schöpfung, zu der die ACK jährlich einen zentralen Gottesdienst am Tag der Schöpfung veranstaltet.
Wir untersuchen auch, wie wir beten. Der Deutsche Ökumenische Studienausschuss (DÖSTA), der für die ökumenische Studienarbeit der ACK steht, hat gerade eine mehrjährige Studie zu „Sprache(n) des Gebets“ abgeschlossen, damit wir uns besser verstehen und voneinander lernen. Ferner beten wir gemeinsam weltweit im Januar in der Gebetswoche für die Einheit der Christen um genau das: die Einheit! Wir nehmen ein Land in den Blick und dessen Nöte und Anliegen auf.
Damit bauen wir Brücken zwischen den Konfessionen. So gibt es seit einigen Jahren eine Zusammenarbeit bei der Gebetswoche für die Einheit und der Gebetswoche der Evangelischen Allianz. Wir beten für verfolgte Christen und für die Religions- und Glaubensfreiheit. Mit Armenien als Gastgeberland in diesem Jahr und vor dem Hintergrund der Vertreibung aus den armenischen Siedlungsgebieten in Berg-Karabach wird es drängendes Thema sein!
Gemeinsam für die Einheit zu beten, ist bereits ein Zeichen der Einheit. Das Nizäa-Jahr 2025 wurde mit dem Fokus auf dem sogenannten großen Glaubensbekenntnis zur Chance, an den gemeinsamen Glauben zu erinnern, und damit daran, an wen wir unser Gebet richten. Für mich ist es immer ein besonderer Moment, wenn wir im ökumenischen Gottesdienst alle das Vaterunser sprechen. Da wird mir deutlich, dass die Einheit in Christus schon existiert – jenseits aller Unterschiede. Das gemeinsame Gebet verändert und zwingt uns, unser Gebet und unser Handeln auf gemeinsame Anliegen zu richten.
Noch besser wäre es, wenn wir nicht nur gemeinsam beten, sondern uns um den einen Tisch des Herrn versammeln könnten: zur Kommunion, zur Mahlgemeinschaft. Auch wünsche ich mir, dass bei neuen Vorhaben, Änderungen oder der Frage nach der kirchlichen Präsenz, zuerst überlegt wird: Geht das mit anderen christlichen Gemeinschaften, und wie wirkt sich das auf meine ökumenischen Partnerkirchen aus?
Nimmt man all dies zusammen, ist es gut um die Ökumene bestellt. Die Kirchen in Deutschland und in Europa sind vielfach gemeinsam unterwegs, wie die neue Version der Charta Oecumenica belegt. In ihr verpflichten sich die europäischen Kirchen, „füreinander und für die Einheit der Christen zu beten“. Wir sind, um das biblische Motto (Epheser 4,4) der diesjährigen Gebetswoche aufzugreifen, bereits „ein Leib und ein Geist“, und wir sind gemeinsam „berufen zu einer Hoffnung in einer Berufung.“ Wir müssen es nur bezeugen und leben – auch im Gebet.
Der Autor ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK).
Autor:Online-Redaktion |
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