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Verein hebt Musikschätze
Verschollenes wiedergefunden

Köthen: Unter dem Titel "Bekanntes und Unerhörtes“ erklingen in der Jakobskirche selten aufgeführte Lieder und Orchesterwerke. | Foto: Daniel Schad
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  • Köthen: Unter dem Titel "Bekanntes und Unerhörtes“ erklingen in der Jakobskirche selten aufgeführte Lieder und Orchesterwerke.
  • Foto: Daniel Schad
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Der Verein "Straße der Musik" hat es sich zur Aufgabe gemacht, historische Musikschätze aus Mitteldeutschland zu heben. 3494 fast vergessene Komponisten zählt die Statistik des Vereins. Beim jährlichen Musikfest sind es ihre Noten, die auf dem Pult liegen.

Von Uwe Kraus

Wer kennt sie: Ernst Christian Hesse, Johann Friedrich Ruhe, Franz Danzi oder Friedrich Ernst Fesca? Sie gehören zu jenen mitteldeutschen Komponisten, die in diesem Jahr ein Jubiläum feiern. Musikfreunde können das 350. Sterbejahr, ein 250. Geburtsjahr und gar gleich dreifach ein 350. Geburtsjahr begehen.

„Dank dem Engagement der Förderer, der Künstler, von Helfern und Vereinen vor Ort können wir immerhin zehn von etwa 135 Musiker in den Fokus stellen“, hebt Daniel Schad, der Vorsitzende des Vereins „Straße der Musik“, hervor. Jährlich lädt der Verein zum Musikfest „Unerhörtes Mitteldeutschland“ ein. Wieviel Notenkünstler sich in der Musikhistorie Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens finden, kann Schad, der in Veckenstedt (EKM-Kirchenkreis Halberstadt) lebt, auf den Tag genau sagen. „Durch Recherchen in historischen Lexika und durch Studien vieler weiterer Quellen haben wir bis zum heutigen Tag 3494 historische Komponisten in gefunden.“

Der Geiger, den man in seinem Ruhestand immer wieder am Notenpult zahlreicher Orchester erlebt, freut es, dass es seinem Verein erneut gelungen ist, blickt mit Vorfreude auf das Programm für das diesjährige Musikfest. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Musik dieser relativ unbekannten Komponisten aus unserer Region zum Klingen bringen dürfen. Es sind gerade diese kleinen musikalischen Diamanten, die eine Strahlkraft entfalten, auf die wir auch heute sehr stolz sein dürfen.“

Am 26. Juni startet ab 19 Uhr das Eröffnungskonzert in der St. Petrikirche in Hausneindorf. Thomas Fritzsch, auf den Podien der Me-tropolen New York, Boston, Tokio, Seoul, Abu Dhabi, Dubai, Havanna, Hongkong, Shanghai und Jerusalem vertreten, spielt in der Harzer Selke-Aue verschollene und vergessene Werke der Gambenliteratur auf der siebensaitigen Viola da gamba von Johann Casper Göbler aus dem Jahr 1784. Ein weiterer Solist ist Shalev Ad-El, der als Cembalist Weltgeltung erlangte. Er spielt auch in Hausneindorf auf der dortigen Orgel von Adolph Christian, Emil Reubke und Ernst Röver, denen im Dorf ein Orgelmuseum gewidmet ist.

Tags darauf sind unter dem Titel „Unerhörte Köthener Klänge – Bekanntes und Unerhörtes“ der Bach-Chor Köthen und der Kirchenchor Görzig sowie der Evangelischer Kinderchor und das von Manfred Apitz geleitete Köthener Schlossconsortium in Köthen zu erleben. Die musikalische Gesamtleitung übernimmt Kirchenmusikdirektorin Martina Apitz.

Daniel Schad wirft einen Blick auf den Programmzettel des einzigen Anhalt-Konzerts beim diesjährigen Musikfest. Ernst Schmidt-Cöthen (1825–1896), der den Stadtnamen im eigenen Nachnamen trägt, ist mit „Süßes aus Korinth“ vertreten, der jüdische Komponist Alfred Tokayer (1900–1943), der in Köthen seinen ersten Musikunterricht hatte und vermutlich im KZ Sobibor starb, steuert „Return to Bled – Das ist der Wein, der uns so jung erhält“ bei.

Friedrich Ernst Arnold Werner Nolopp setzt mit „Akener Klumbatsch“ seinem damaligen Karnevalsverein und Heimatort ein Denkmal. Natürlich dürfe die Bach-Dynastie nicht fehlen, die die Kirchenmusik in Anhalt geprägt habe, sagt Schad. Johann Sebastian Bach habe an St. Jacob und St. Agnus gewirkt. So eröffnet und schließt das Konzert am 27. Juni mit dessen Orgelfuge g-Moll und dem Schlusschoral „Herr Jesu, Gnadensonne, wahrhaftes Lebenslicht“.

Köthen: Unter dem Titel "Bekanntes und Unerhörtes“ erklingen in der Jakobskirche selten aufgeführte Lieder und Orchesterwerke. | Foto: Daniel Schad
Daniel Schad | Foto: Verein "Straße der Musik"
Autor:

Uwe Kraus

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