Freitag vor eins...
Warum in Köln gilt: Eile mit Weile!
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Was braucht es eigentlich für eine Eilmeldung? Klar: Ein nachrichtenrelevantes Ereignis, eine Redaktion, die dieses erkennt und dann ein Medium, über welches man die Nachricht schnell verbreiten kann. Doch was eilig wirkt, ist selten neu. Das zeigte in dieser Woche eine Nachricht aus Köln ...
Von Paul-Philipp Braun
Als ich vor etwas mehr als zehn Jahren lernte, wie Journalismus funktioniert - eine kurze Zeit mit vielen Veränderungen -, gab man mir mit auf den Weg, genau zu prüfen, was eilig ist. Insbesondere, so hieß es immer, sei die Zielgruppe des Mediums wichtig.
Eine Promi-Schwangerschaft ist für den geneigten politisch interessierten Intellektuellen weniger eilig (oder gar wichtig) als eine Äußerung des Kanzlers zum Sozialabbau. Eine Äußerung des Kanzlers spielt hingegen in einer App für Stars und Sternchen nicht unbedingt eine Rolle, außer er hat sich einer Haartransplantation unterzogen.
Diese Woche, genau gesagt am Dienstagvormittag, schoss der Deutschlandfunk über seine Nachrichten-App eine Eilmeldung heraus. „12 Euro Eintritt für Kölner Dom ab Juli" titelte das Medium und verwies auf eine Information des Domkapitels. Doch was macht diese Nachricht zu einer dringlichen?
Hier hilft ein Blick in die Kirchenzeitung. Schon 2019 stand das Thema Eintrittsgeld für Kirchengebäude auf einigen Seiten. Damals ging es aber nicht um Köln, sondern um das protestantische Wittenberg. Sabine Kramer, Direktorin des Predigerseminars und Vorsitzende des Verwaltungsrates des Schlosskirchenensembles, betonte damals, es handele sich um einen Erhaltungsbeitrag, der explizit nicht für Gottesdienstbesucherinnen und -besucher, sondern nur für Touristinnen und Touristen erhoben werde.
Inzwischen sind einige Jahre vergangen und der Erhaltungsbeitrag hat sich in Wittenberg gut etabliert. Das Domkapitel zu Köln fängt hingegen erst jetzt damit an – und erntete schon beim ersten öffentlichen Gedankenspiel zum Eintrittsgeld fürs Gotteshaus laute Kritik. Die ehemalige Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner, eine der bekanntesten Stimmen in der Debatte um den Dom, befürchte einen Ausschluss von Menschen mit weniger finanziellen Mitteln. (Glaube+Heimat berichtete)
Das war im März dieses Jahres. Inzwischen hat das Domkapitel die Entscheidung getroffen: Eintrittsgeld ab Juli. Ob es auch für Gottesdienste gilt, geht aus der Eilmeldung nicht hervor – ebenso wenig wie die Relevanz für den politisch Interessierten.
Was eilig wirkt, ist selten neu. Das Domkapitel zu Köln diskutiert Eintrittsgeld seit Jahren, Wittenberg erhebt es seit Jahren, und Kirchenzeitungen schreiben darüber seit Jahren. Eine Eilmeldung macht daraus noch keine dringende Nachricht – sie macht daraus nur eine laute. Was Sie hingegen in der aktuellen Ausgabe finden, kommt ohne Sirenen aus: Themen, die Ihren Alltag betreffen, eingeordnet statt aufgeregt. Gute Lektüre.
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