Paul-Gerhardt-Liedersingen in Gräfenhainichen
Für jede Lebenssituation die passenden Worte
- Zur Auslosung trat Wilma Deißner in barocker Robe auf.
- Foto: Thorsten Keßler
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In diesem Jahr jährt sich der Todestag des in Gräfenhainichen geborenen Theologen und Kirchenlieddichters Paul Gerhardt (1607–1676) zum 350. Mal.
Von Thorsten Keßler
Auch wenn sich Paul Gerhardts berufliches Leben später in Berlin sowie in Mittenwalde und Lübben im heutigen Brandenburg abgespielt hat, so habe ihn die Kindheit in Gräfenhainichen geprägt, sagt Wilma Deißner vom Paul-Gerhardt-Freundeskreis. „Das, was er später in seinen Gedichten beschreibt: Natur, Flora, Fauna; all das hat er als Kind hier erlebt.“
Wilma Deißner hat vor 23 Jahren den Paul-Gerhardt-Freundeskreis gegründet und mit anderen zusammen das Paul-Gerhardt-Liedersingen der 5. Klassen der Schulen von Gräfenhainichen ins Leben gerufen. Anlässlich des 400. Geburtstages hat sie außerdem 2007 die Jubiläumsfeiern organisiert.
Das Paul-Gerhardt-Liedersingen ist seit über 20 Jahren fester Termin im Kulturkalender der Stadt. Die 5. Klassen der Schulen der Stadt interpretieren Paul Gerhardt auf ihre eigene Weise. Welche Lieder, das wurde bereits im Büro von Bürgermeister Enrico Schilling (CDU) ausgelost.
Zur Auslosung kam Wilma Deißner gekleidet in einer Barock-Robe als Pauline Gerhardt. In die Rolle dieser fiktiven Person schlüpft sie bei Führungen auf Paul Gerhardts Spuren. Gräfenhainichen ist bekannt für den Tagebau und das Industriemuseum Ferropolis. „Aber auch Paul Gerhardt ist eine Identifikationsfigur, die wir durch das Paul-Gerhardt-Liedersingen schon an nachfolgende Generationen heranbringen“, sagt Enrico Schilling, der seit 2015 im Amt ist.
In Wilma Deißners Lostrommel – einer großen Blechdose, beklebt mit dem Konterfei von Paul Gerhardt – stecken handgeschriebene Zettel mit den Titeln seiner bisher bekannten 139 Lieder. Text Nummer 140 wurde jüngst entdeckt, ist aber, obwohl bereits vertont, noch nicht in der Lostrommel. Es ist ein Trostlied zum Tode der fünfjährigen Hendrina Magdalena Seidel, die 1662 starb.
Dann ziehen die Vertreterinnen der Schulen aus der Lostrommel die Lieder für ihre 5. Klassen für den Auftritt am 5. Juni. Da die Schule an der Lindenallee wegen Personalmangel nicht am Singen teilnehmen kann, sind in diesem Jahr nur drei Schulen dabei. Die Ganztagsschule Ferropolis und das Paul-Gerhardt-Gymnasium kommen mit je drei Klassen. Die Förderschule „Peter Petersen“ macht am 5. Juni den Auftakt. Alle 55 Schülerinnen und Schüler singen eines der wohl bekanntesten Gerhardt-Lieder: „Geh aus, mein Herz und suche Freud.“ Schon jetzt herrsche Anspannung und Vorfreude, sagt die pädagogische Mitarbeiterin Petra Zollwege: „Auf der Bühne zu stehen, ist etwas Besonderes. Es gibt Schülerinnen, die dafür ihr schönstes Kleid anziehen.“
Am Paul-Gerhardt-Gymnasium spielt der Liederdichter eine wichtige Rolle, sagt Ina Abidi-Kirchner. „Wir machen mit den fünften Klassen viele Projekte, und das Liedersingen ist ein Highlight. Es ist faszinierend, was dabei entsteht.“
Wilma Deißner findet: Obwohl Paul Gerhardts Gedichte und Lieder schon über 300 Jahre alt sind, haben sie auch in der Gegenwart nichts an Bedeutung verloren. „Er hat für jede Lebenssituation die passenden Worte gefunden. Er hatte ein großes Gottvertrauen, das hat er an uns Menschen über die Jahrhunderte weitergegeben.“
Am 5. Juni 2026, 10.00 Uhr, wird zum Paul-Gerhardt-Liedersingen in die Stadtkirche St. Marien geladen.
Autor:Online-Redaktion |

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