Anzeige


Sieben Jahre nach dem Anschlag von Halle
Eklat beim Gedenken

Blick auf die Synagoge und das Tor zum jüdischen Friedhof von Halle (Saale). | Foto: Thomas Nawrath
11Bilder
  • Blick auf die Synagoge und das Tor zum jüdischen Friedhof von Halle (Saale).
  • Foto: Thomas Nawrath
  • hochgeladen von Thomas Nawrath

Die Holztür der Synagoge von Halle (Saale) stoppte vor sieben Jahren einen Rechtsterroristen bei seinem Anschlagsversuch. Am Freitag wurde an die Geschehnisse vom 9. Oktober 2019 erinnert. Für Aufsehen sorgte AfD-Landtagsvizepräsident Tillschneider.

Von Thomas Nawrath

Halle. Beim Gedenken an die Opfer des terroristischen Anschlags vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) ist es zu einem Eklat gekommen: Vertreter der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verweigerten am Freitag dem AfD-Politiker und neuem Landtagsvizepräsidenten von Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, mit einer Menschenkette den Zutritt zum Gelände der Synagoge. Nach Angaben der Zeitung „Jüdische Allgemeine“ hatten die Studierenden den Politiker aufgefordert, das Andenken an die Opfer des Anschlags nicht zu beschmutzen.

Menschenkette von Mitgliedern der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) vor der Synagoge von Halle. Sie hatten am 9. Oktober AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider den Zugang verwehrt. | Foto: Thomas Nawrath
  • Menschenkette von Mitgliedern der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) vor der Synagoge von Halle. Sie hatten am 9. Oktober AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider den Zugang verwehrt.
  • Foto: Thomas Nawrath
  • hochgeladen von Thomas Nawrath

Mit einer Reihe von Veranstaltungen und Initiativen war an die Geschehnisse vor sieben Jahren erinnert worden. Am jüdischen Feiertag Jom Kippur, der damals auf den 9. Oktober fiel, hatte der Rechtsterrorist Stephan B. versucht, in die Synagoge einzudringen. Er schoss mehrfach auf die Holztür, kam jedoch nicht in das Gotteshaus. Vor diesem erschoss er die 40-jährige Jana L. und tötete an einem Imbiss in der Nähe den 20-jährigen Kevin S. Zwei weitere Menschen verletzte der Attentäter auf seiner Flucht schwer. Im Jahr 2020 verurteilte ihn das Oberlandesgericht Naumburg zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

„Antisemitismus ist nicht verschwunden“

Zum damaligen Anschlagszeitpunkt um 12.03 Uhr läuteten stadtweit die Kirchenglocken. Zudem stand der Straßenbahnverkehr für eine Minute still. An der Synagoge in der Humboldtstraße fand ein stilles Gedenken statt, an dem Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze, dessen Amtsvorgänger Reiner Haseloff (beide CDU), Vertreter der Stadt und der Zivilgesellschaft teilnahmen. Am Nachmittag fanden weitere Gedenkveranstaltungen im Stadtgebiet statt.

Rund 100 Anwesende gedachten deer Opfer des Anschlagsd von 2019 vor der halleschen Synagoge. | Foto: Thomas Nawrath
  • Rund 100 Anwesende gedachten deer Opfer des Anschlagsd von 2019 vor der halleschen Synagoge.
  • Foto: Thomas Nawrath
  • hochgeladen von Thomas Nawrath

„Der 9. Oktober 2019 hat unser Land verändert. Dieser Anschlag hat uns gezeigt, wohin Antisemitismus und Menschenhass führen können“, sagte Schulze. „Weil ein Rechtsextremist aus Hass auf Jüdinnen und Juden möglichst viele Menschen töten wollte“, seien die Opfer zu beklagen. Gedenken sei aber auch nötig, „weil Antisemitismus und Rechtsextremismus nicht verschwunden sind“.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, sagte: „Der Kampf gegen Antisemitismus und Menschenhass bleibt unsere Aufgabe.“ Schulze betonte: „Jüdisches Leben gehört zu Sachsen-Anhalt. Jüdinnen und Juden sollen hier sicher und selbstverständlich leben können. Daran müssen wir als Gesellschaft gemeinsam arbeiten - jeden Tag.“

Vertreter von Stadt und Land sowie der Zivilgesellschaft legten Grenze an der Gedenktafel nieder. | Foto: Thomas Nawrath
  • Vertreter von Stadt und Land sowie der Zivilgesellschaft legten Grenze an der Gedenktafel nieder.
  • Foto: Thomas Nawrath
  • hochgeladen von Thomas Nawrath

AfD habe „Grenzen des Sagbaren“ verschoben

Für die Jüdische Studierendenunion Deutschland gehörte dazu, dem Vize-Landtagspräsidenten von der AfD den Zugang zur Synagoge zu verwehren: „Wir werfen Leuten wie Tillschneider und der AfD vor, dass sie die Grenzen des Sagbaren so weit verschoben haben, dass dieser Anschlag erst möglich geworden ist“, sagte Präsident Ron Dekel der „Jüdischen Allgemeinen“. Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, kritisierte das Auftreten des Landtagsabgeordneten als „politische Instrumentalisierung“.

Nach Ansicht der AfD-Fraktion ist hingegen durch das Agieren „linker Studenten“ das „Andenken an die unschuldigen Opfer des Amoklaufs gestört“ worden. Nach erfolglosen Vermittlungsversuchen der Polizei entschied Tillschneider schließlich, nicht am Gedenken teilzunehmen.

epd

Autor:

Online-Redaktion

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

56 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.