Wort zur Woche
Wenn Gnade vor Recht ergeht

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Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.
Römer 5, Vers 8

Waren?“, unterbricht Claudius. Einige Christen in Rom lesen gerade den Brief, den sie von Paulus bekommen haben. „Warum schreibt Paulus: waren? Wir sind doch noch Sünder – oder nicht?“ „Ja, schon“, erwidert Priska. „Aber Gott schaut auf uns, als wären wir es nicht mehr.“ Claudius ist ein ernsthafter, aufrichtiger Mann. Stets blickt er kritisch auf sich und andere. „Warum sollte Gott das tun?“, will er wissen. „Aus Liebe“, antwortet Priska. Claudius ist verwirrt. Das ist ihm neu. „Ich bin kein Sünder mehr? Jedenfalls für Gott nicht? Was heißt das für mich? Wenn Gott so gnädig auf mich schaut, muss ich dann auch gnädig auf andere sehen? Ich weiß nicht, ob ich das kann.“ – „Versuche es! Ich will es auch probieren“, sagt Priska. „Ich glaube, das heilt und befreit.“
Zeitsprung: Heute weidet man sich genüsslich an Fehlern anderer, führt sie vor, stellt sie ins Netz. Negatives wird betont. Das Glas ist zu 10 Prozent leer, nicht zu 90 Prozent voll. Politische Vorschläge werden umgehend niedergemacht. Problematische Äußerungen von Prominenten werden auch nach Jahren noch aufgespürt. Der Fehlgriff des Torwarts, die Ungeschicklichkeit des Mitschülers, der Versprecher im Interview. Negatives wird festgehalten. Gnadenlos. Wer anders denkt, spricht oder aussieht, wird nicht als Bereicherung empfunden, sondern mit Argwohn oder gar Hass bedacht.
Als Christen müssen wir andere Wege aufzeigen und gehen. Schließlich leben wir ja davon, dass Gott in uns nicht die Sünder sieht, nicht das, was wir falsch machen und versäumen. Das muss uns als Vorbild dienen. Dann erkennen wir im Aggressiven vielleicht den Verunsicherten, im nervenden Nachbarn den, der überfordert ist, im politisch Andersdenkenden den, der nach Lösungen sucht. Andere achten, wie wir von Gott geachtet werden, ihnen aufgeschlossen mit einem Vertrauensvorschuss begegnen, wohlwollend hinschauen und zuhören – so können wir Gott für seine Liebe danken und gleichzeitig helfen, unsere Gesellschaft zu heilen.

Christoph Ifland, Schulpfarrer in Eisenach

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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