Christi Himmelfahrt
Nüsse und Kastanien prasseln aus dem »Heiliggeistloch«

Alte Bräuche rund um Christi Himmelfahrt: Von volkstümlichen »Ausfahrten« zum feuchtfröhlichen Vatertag

Seit frühesten Zeiten zieht es die Menschen an bestimmten Tagen wie Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam hinaus ins Grüne. So gibt der Himmelfahrtstag – dem kirchlichen Festtagskalender zufolge der vierzigste Tag nach Ostern – Gelegenheit für Bergwanderungen und Spaziergänge, Bergmessen und Prozessionen.
In den traditionellen Volksbräuchen markiert der Himmelfahrtstag den Übergang vom Frühling in den Sommer. Eine alte Bauernregel empfiehlt daher: »Nun Pelz und Muff verwahrt – der Herr hält Himmelfahrt!«
Vielerorts war es Brauch, dass sich im Laufe des Tages ganze Dorfgemeinschaften an traditionellen Treffpunkten einfanden, um sich gemeinsam zu vergnügen. Damit wurde schon vieles von dem vorweggenommen, was den Himmelfahrtstag seit einigen Jahrzehnten auch zum »Vatertag« gemacht hat. Böse Zungen behaupten gar, dass sich in den Vatertagsbräuchen ohnehin nur ein höchst weltliches Relikt der aus heidnischer Zeit überlieferten Flurprozessionen erhalten habe.
Seinerzeit wurden in deren Verlauf mit Geschrei und Gejohle die letzten vermeintlichen Unholde aus der wachsenden Saat vertrieben. Anschließend traf man sich – ähnlich wie bei den zünftigen Herrenpartien – zu einem feuchtfröhlichen Umtrunk im Wirtshaus.
Allerdings blieb auch die Kirche an diesem Tag nicht untätig. Während heutzutage am Himmelfahrtstag die Saison für die unter dem Motto »Kirche im Grünen« stattfindenden Gottesdienste eröffnet wird, luden die Pfarrherren von einst im Anschluss an die Prozessionen und die frühmorgendlichen Ausflüge zu einem Ereignis besonderer Art in die örtliche Pfarrkirche ein.
Einer alten aus dem 16. Jahrhundert stammenden Tradition folgend, wurde vornehmlich im süddeutschen Raum und in Österreich die Himmelfahrt Christi bildlich dargestellt. War dies ursprünglich ein Zugeständnis der Geistlichkeit an die des Lesens unkundige Bevölkerung, so entartete dieser Brauch im Laufe der Zeit immer mehr zu einer allgemeinen Volksbelustigung.
Zunächst wurde während eines feierlichen Gottesdienstes in katholischen Kirchen eine Luke im Deckengewölbe des Kirchenschiffes geöffnet, aus der zwei hölzerne Engel herabgelassen wurden. Hatten die beiden Statuen die auf einem Tisch im Mittelgang des Gotteshauses stehende Figur des Auferstandenen erreicht, wurde diese ebenfalls an einem Seil befestigt und gemeinsam mit den beiden Engeln zur Deckenluke hinaufgezogen.
Damals – wie vereinzelt in Südtirol auch noch heute – waren die Augen der Gottesdienstbesucher auf die entschwebende Christusfigur gerichtet: Denn waren die drei Holzfiguren auf dem Dachboden verschwunden, »regnete« es für gewöhnlich durch das so genannte »Heiliggeistloch«: Blumen, Heiligenbildchen, Oblaten und Früchte, aber auch Nüsse und Kastanien prasselten auf die erwartungsvoll ausharrende Gemeinde herunter. (epd)

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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