Wort zur Woche
Hier gelten gänzlich andere Kriterien
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Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Römer 5, Vers 8
Im Alltag wird oft nur die Leistung gesehen: Wer erfolgreich ist, wird gelobt. Wer scheitert, bleibt oft am Rand. Auch der Blick auf uns selbst ist oft streng: Wir schauen nach unseren Fehlern, vergleichen uns mit Anderen und haben das Gefühl, erst besser werden zu müssen, um etwas zu gelten.
Von Helfried Maas
Ohne Fleiß kein Preis, keine Anerkennung. Dieses Denken prägt Beziehungen, Arbeit und oft auch unseren Glauben.
Der Bibelvers aus dem Römerbrief sagt etwas anderes. Gott wartet nicht darauf, dass Menschen ihr Leben sortiert haben. Er liebt uns nicht erst, nachdem wir uns verbessert haben, sondern schon jetzt: mitten im Unfertigen. Gottes Liebe und Annahme ist besonders dort, wo wir mit leeren Händen dastehen und nichts vorzuweisen haben.
Auch für Martin Luther war diese Einsicht zentral. Er erkannte damals: Der Mensch wird nicht durch Werke, Anstrengung oder moralische Leistung gerecht, sondern allein durch den Glauben. Sola fide (lat. "Allein durch Glauben") – ein Grundgedanke der Reformation. Also: Nicht das, was wir tun, macht uns vor Gott gerecht, sondern allein das Vertrauen darauf, was Christus für uns getan hat. Gerecht sein heißt nicht: Wir sind fehlerlos. Es heißt: Wir sind von Gott angenommen – trotz aller Fehler.
Das entlastet. Es nimmt den Druck, dass wir uns selbst erlösen müssten. Unsere Schuld wird nicht geleugnet. Aber sie definiert auch nicht mehr, wer wir sind. Wenn wir glauben, klammern wir uns nicht an unsere eigene Stärke, sondern an Gottes Zusage, die uns tragen soll.
Wir können loslassen: den Zwang, fehlerlos sein zu müssen, und die Angst, nie gut genug zu sein. Vor Gott zählt nicht der perfekte Lebenslauf, sondern der Glaube, der sich ihm anvertraut. Aus diesem Vertrauen kann Neues wachsen – nicht um erst noch gerecht zu werden, sondern weil wir es schon sind.
Der Autor ist Pfarrer und Gefängnisseelsorger in der JVA Arnstadt.
Autor:Online-Redaktion |

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