Stärker als der Hass
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Wochenspruch: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Römer 12, Vers 21
Es ist also noch da, das Böse. Für Paulus – eine reale Macht. Mag die Hölle auch offen und leer sein: Das Böse gewinnt immer wieder Raum.
Von Sabine Wegner
In einer meiner Kirchengemeinden befand sich 1944–45 ein KZ-Außenlager mitten im Dorf. Kürzlich hat die Kirchengemeinde eine Gedenkfeier gehalten, bei der Namen und weitere Angaben zu den Gefangenen verlesen wurden. Dreihundert Häftlinge waren hier in zwei Baracken eingepfercht, umgeben von Stacheldraht und vier Wachtürmen. Einer der wenigen Häftlinge, die diese Hölle überlebt haben, schrieb: „Wir können alle Häuser erkennen und den hohen Turm einer evangelisch-lutherischen Kirche. … Wie kann man so dicht bei solchen Ungerechtigkeiten vom Himmel reden?“ (Häftling 20801, Aimé Bonifas)
Ich habe mich immer gefragt, wie aus Familienvätern und -müttern Folterknechte werden können und wie ehrbare Bürger vermögen, gegenüber Entmenschlichung taub, blind und vor allem so stumm zu werden.
Wo käme ich vor? Das Böse greift Raum und entfaltet seine ansteckende Wirkung dort, wo der Keim der Ungerechtigkeit aufgeht, wo Größenwahn sich freie Bahn verschafft, wo Sprache und Gesten verrohen und der Staat seine Schutzfunktion gegenüber Minderheiten aufgibt. All dies und noch weitere Zutaten bilden guten Nährboden für das Böse. Und das Gute – kann es dem etwas entgegensetzen? Aimé Bonifas schreibt in seinem Buch auch vom Licht, das alles Dunkel vertreiben konnte: von der Kraft des gemeinschaftlichen Gebets und den Fürbitten, durch die er und andere sich getragen wussten. Er schreibt von seinem Mithäftling und heiteren Freund Albert Cappus: „Was er tut, was er in dieser Lagerhölle zu tun fähig ist, das ist Nächstenliebe in ihrer reinsten Form. Ja, es gibt eine Liebe, die stärker ist als der Hass, ich habe es gesehen.“
Albert Cappus wurde ermordet, aber das Böse ist kläglich an ihm gescheitert. Auch das Gute ist ansteckend – Gott sei Dank, in Christus Jesus. Amen.
Die Autorin ist Pastorin im Pfarrbereich Trebra.
Autor:Online-Redaktion |

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