Wort zur Woche
Elementarteilchen des Glaubens

Foto: epd-bild/Heike Lyding
2Bilder

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Epheser 5, Verse 8b.9

Wer sich ein bisschen in der Quantenphysik auskennt, weiß: Licht ist mehr als Helligkeit. Es kann Welle und Teilchen zugleich sein. Auch – und das ist Teil des oft Unbegreiflichen – wenn es beobachtet wird, also wenn Beziehung da ist.

Von Tobias Gruber

Auch im christlichen Glauben ist Licht mehr als nur Leuchtkraft. Wie in der Physik beschreibt das Licht im Glauben die Art und Weise, in der Welt zu sein. Der Wochenspruch aus dem Epheserbrief spricht nicht davon, Licht zu besitzen. Er sagt: „Wandelt als Kinder des Lichts.“ Licht wird hier nicht zum Eigentum, sondern zur Beziehung. Jeder Mensch empfängt sein Licht von anderswo – aus Begegnungen mit oder Gedanken von anderen Menschen.

Identität entsteht nicht aus Selbsterschaffung, sondern aus Resonanz. Das Leben wächst dort, wo ein Mensch sich ansprechen lässt – von Gott, von anderen Menschen. Licht ist kein Status, sondern ein Geschehen.

Dabei kennt das Licht keine Naivität. Es fällt auch auf Brüche, Widersprüche und Schuld. Wer im Licht lebt, muss nicht vollkommen sein. Im Gegenteil: Nur was ans Licht kommt, kann verwandelt werden. Finsternis ist nicht zuerst das Böse, sondern das Verborgene. Licht bedeutet, dass nichts endgültig verloren ist, weil selbst die verwundeten Stellen des Lebens gesehen werden. Damit antwortet dieser sehr alte Text auf eine der größten Sehnsüchte der Gegenwart: gesehen zu werden, ohne verurteilt zu werden. Gottes Licht ist kein Scheinwerfer, der bloßstellt. Es gleicht dem Morgenlicht. Es drängt nicht. Es wartet an den Rändern der Nacht. Und doch verändert es alles, was es berührt. So wird der Weg eines Menschen nicht an der Lautstärke seiner Überzeugungen erkennbar, sondern an seinen Früchten. Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit sind wie leise Lichtspuren in einer oft grellen Welt. Nicht blendend, aber ausreichend, um den nächsten Schritt zu sehen. Manchmal ist das schon genug.

Der Autor ist  Pfarrer in Quedlinburg.

Foto: epd-bild/Heike Lyding
Pfarrer Tobias Gruber | Foto: T. Gruber
Autor:

Online-Redaktion

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

54 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.