Wie eine Mutter dem Mörder vergibt
Porträt einer unbeugsamen Frau
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Kann man dem Mörder seines Kindes vergeben? Die Frage stellt sich Diane Foley. Ihr Sohn war Kriegsreporter. 2012 gerät er in Syrien in die Hände der Terrororganisation Islamischer Staat.
Von Felix Leibrock
Die Mutter versucht, mittels Spenden den Sohn freizukaufen. Doch die amerikanische Regierung lässt das nicht zu. Sie will keinen Präzedenzfall schaffen. Der Sohn wird 2014 hingerichtet. Die Bilder gehen um die Welt: „Die schwarze Kapuze. Die Augen. Der Wüstensand. Der orange Overall. Die kniende Gestalt. Das Durchschneiden der Kehle. Dann der groteske Anblick des abgetrennten Kopfes auf dem Rücken ihres Sohnes.“ Diane Foley ist verzweifelt, von Trauer überwältigt.
Aber sie verharrt nicht, sondern engagiert sich für andere politische Gefangene. Sie will ermöglichen, dass diese freigekauft werden. Noch im selben Jahr gründet sie eine Stiftung. Es ist ein Versuch, dem Mord etwas Sinnvolles entgegenzusetzen. Das gilt noch mehr, als sie sich die Frage nach dem Vergeben stellt. Sie tut das aus dezidiert christlichen Motiven. Weil Vergeben keine Worthülse sein soll, fragt sie sich: Kann ich dem Mörder vergeben?
Die Frage spitzt sich zu, als sie von einem Deal zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung erfährt. Der Mörder sitzt inzwischen in einem amerikanischen Gefängnis. Man bietet ihr an, ihm zu begegnen. Wird sie das tun? Ihr Umfeld ist skeptisch. Bekommt der Mörder dadurch nicht noch ein unverdientes Podium? Warum die Schrecken sieben Jahre nach der Tat noch einmal hervorholen?
Diane Foley sehnt sich nach Vergebung. Nicht weil es dem Mörder zusteht, sondern weil sie selbst von Hass frei bleiben will. Ein Anruf von Papst Franziskus hat sie gestärkt. Als Christenmensch gehört Vergeben zur DNA. Sie trifft den Mörder mehrmals. Ein schwieriger Prozess, der ihr psychisch viel abverlangt.
Sie erzählt ihm viel von ihrem Sohn. Versucht, dem Mörder klarzumachen, wie zerstörerisch sein Handeln war. Am Schluss streckt sie ihm die Hand entgegen. Und er, der fremden Frauen aus religiösen Gründen prinzipiell keine Hand gibt, nimmt diese Hand. Befragt, warum er das getan habe, sagt er: „Sie ist für jeden wie eine Mutter.“
Diane Foley erinnert an Maria unter dem Kreuz. Auch sie steht vor dem gewaltsamen Tod ihres Sohnes. Auch sie kann nichts ändern. Aber sie verweigert dem Hass das letzte Wort. In unseren Zeiten ist der Hass allgegenwärtig. Und "American Mother" darum ein notwendiges Buch.
McCann, Colum mit Foley, Diane: American Mother. Eine Geschichte von Hass und Vergebung. Rowohlt, 272 S., 26 Euro, ISBN 978-3-498-00386-9
Autor:Online-Redaktion |
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