Sting wird 70
"Gott ist ein Mysterium für mich"

Grammy-Preisträger und Papst-Fan: der Musiker Sting
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Zwei Momentaufnahmen aus dem Leben eines Weltstars.

Von Sabine Kleyboldt

August 2018: Ein strahlender Sting wird im Vatikan von Papst Franziskus empfangen. Herbst 1987: Der Musiker posiert für ein Plattencover vor einer Statue der Jungfrau Maria. Auf die Frage, ob seine kurz zuvor gestorbene Mutter Audrey Sumner eine besondere Verbindung zu Maria gehabt habe, antwortete er: "Nein, aber ich selbst." Da war Sting längst aus der Kirche ausgetreten. Doch seine katholische Erziehung prägt den britischen Megastar, der am 2. Oktober 70 Jahre alt wird, bis heute.

1951 im nordostenglischen Wallsend als Gordon Matthew Sumner in eine Arbeiterfamilie geboren, besuchte er eine Jesuiten-Schule, war Ministrant und heiratete mit 24 Jahren. Zwei Jahre lang unterrichte er Englisch und Musik an der katholischen St Paul’s First School in Cramlington. Danach die Wende: Als Songwriter und Leadsänger der Band "The Police" prägte Sting ab 1977 die Rockszene, später als Solokünstler.

Dass er der Kirche den Rücken kehrte, ist demnach auch durch die häufige körperliche Züchtigung in der Jesuiten-Schule begründet. Doch immer wieder erklärte Sting, keine Feindseligkeit gegen die Kirche zu haben und kein Atheist, sondern Agnostiker zu sein. Nach Gott gefragt, sagte er 2010: "Ich kann ihn, sie oder es nicht beschreiben, niemand kann das." Gott sei "ein Mysterium", etwas, das außerhalb seines Verstandes liege. Der Gedanke, Teil eines unergründlichen Universums zu sein, lasse ihn Glück und Demut empfinden.

Um all den katholischen Symbolen, Geschichten und Hymnen in Stings Werk auf den Grund zu gehen, stellte der US-Religionshistoriker Evyatar Marienberg jahrelang intensive Recherchen an. Für sein Buch "Sting and Religion – The Catholic-Shaped Imagination of a Rock Icon" interviewte er auch mehrere Priester in Wallsend, dem Geburtsort des Musikers – und stellte fest: Der Brite kennt sich aus im Buch der Bücher. Biblische oder allgemein religiöse Bezüge gibt es etwa in "The Last Ship", "When the Angels Fall" oder "Saint Augustine in Hell". Sein Song "Oh My God" von 1982 lehnt sich an das Erste Buch der Könige im Alten Testament an, wo Elia spottet, man müsse sehr laut nach Gott rufen, weil er vielleicht schlafe.

"Walking in Your Footsteps" endet mit einem Zitat aus der Bergpredigt: "Sie sagen, die Sanftmütigen werden die Erde erben." Ein Satz, den Sting auch in "Visions of the Night" verwendet. Biblisch wird es auch im Song "Rock Steady" über Noah und die Sintflut. Darin ist auch die Rede von "der Gnade dieses großen Gottes da oben" und "Manna vom Himmel".

Auch in nicht dezidiert religiösen Texten verweist Sting gern auf Ethisch-Moralisches. So etwa in "Fragile", wo es um die Zerbrechlichkeit der Menschen geht. "Russians" wurde zur Antikriegshymne für Völkerverständigung, und "Englishman in New York" ist ein selbstironisches Plädoyer für kulturelle Verschiedenheit.

Manche kritisieren an Sting, Besitzer mehrerer Anwesen in England, den USA und der Toskana, er sei ein selbst ernanntes Weltgewissen. Andere schätzen gerade, dass er seine Popularität auch nutzt, um auf Themen wie Klimawandel, Armut oder Flüchtlingselend hinzuweisen. So traf er sich für einen Titel auf seinem Album "57th & 9th" von 2016, mitten in der Migrationskrise, mit geflüchteten syrischen Musikern.

"Ich biete mit diesem Song keine politische Lösung für die Flüchtlingskrise an. Wenn es eine Lösung gibt, dann kann sie nur in Empathie begründet liegen, sagte er "Spiegel Online". Jeder Einzelne könne sich vorstellen, er selbst wäre in dem Boot auf dem Mittelmeer und auf der Flucht vor Gefahr. "Das wäre ein Anfang; nichts weiter als eine Übung in Mitgefühl", so Sting.

Da sieht er sich mit Papst Franziskus in Einklang, den der mehrfache Grammy-Preisträger 2018 gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Trudie Styler in Rom besuchte. Für eine Multimedia-Show über die Sixtinische Kapelle hatte Sting den Hymnus "Dies irae" neu vertont. Den lateinischen Gesangs-Part übernahm er als früherer Messdiener selbst.

(kna)

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