Klezmer-Orchester Erfurt
Eine große Familie

Foto: epd-bild / Norbert Neetz

Das Klezmerorchester Erfurt ist mit 90 Musikern eines der größten seiner Art weltweit. Johannes Paul Gräßer und Szilvia Csaranko haben das Ensemble vor zehn Jahren gegründet. Julia Reinard sprach mit ihnen.

Wie kamen Sie auf die Idee, ein Klezmerorchester zu gründen?
Johannes Paul Gräßer: Eigentlich hatte ich nie vor, ein Orchester zu gründen. Doch 2012, zur "Langen Nacht des Klezmer" in Erfurt, spielten alle zum Abschluss noch einmal gemeinsam. Das war toll und ich dachte: Es würde noch mehr Spaß machen, wenn wir vorher zusammen üben würden. 2016 präsentierten wir dann das erste einstündige Programm.
Szilvia Csaranko: Inzwischen gibt es ein Probenwochenende im Winter und eines im Frühling und am Ende einen Auftritt.

Wie wählen Sie die Musiker aus?
Gräßer: Wir kündigen die Proben über unseren E-Mail-Verteiler an. Wer sich zuerst meldet, erhält den Platz. In bestimmten Instrumentengruppen sind wir innerhalb von Stunden ausgebucht. Zur Besetzung gehören auch zehn Profi-Musiker. 75 Prozent der Musiker waren mehrmals dabei.

Wie gestalten Sie das Pro-gramm – viele Werke für Klezmerorchester gibt es nicht …
Csaranko: Die gibt es tatsächlich gar nicht! Es gibt zwar Tausende von Klezmermelodien, oft von 100 Jahre alten Schallplattenaufnahmen. Wir wählen die Melodien aus, und dann arrangiere ich sie für eine Orchesterbesetzung.
Gräßer: Dabei passt Szilvia die Arrangements auch an das Niveau unserer Mitwirkenden an, das ganz unterschiedlich ist: Da sind Musiker, die als Kind mal gespielt haben. Und es gibt Menschen mit mehr Erfahrung oder einer klassischen Ausbildung.

Was fasziniert Sie an Klezmer?
Csaranko: Ich bin Klezmer begegnet, als ich die Musik des osteuropäischen Raums erkundet habe. Ich stamme aus Ungarn, bin aber in Deutschland aufgewachsen. Diese Musik hat mich gefunden und nicht mehr losgelassen. Ich liebe alles daran: Alle spielen das gleiche Stück – jeder ein bisschen anders. Die Melodien sind schön und bewegend.
Gräßer: Klezmer hat ein internationales Konzept und eine sehr diverse Community. Das trifft auch auf unser Orchester zu. Wir fragen nicht nach Können oder Religion. Wir spielen einfach gemeinsam. Ich bin immer wieder überrascht, dass es keinerlei Probleme gibt. Klezmer ist eine große Familie.

Tipp: 16. Mai, 19 Uhr, Jubiläumskonzert, Theater Erfurt Wir fragen nicht nach Können oder Religion. Wir spielen einfach gemeinsam.

Autor:

Online-Redaktion

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