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Geh aus, mein Herz

Christoph Kuhn
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Von Christoph Kuhn

Die "liebe Som-merzeit" vergeht. Die "Gärten-zier" wird durch Bewässerung be-wahrt. Viele Bäu-me stehen nicht „voller Laub“, das Erdreich „decket seinen Staub“ nicht überall „mit einem grünen Kleide“. Schon in vergangenen Jahren gab es verdorrte Wiesen, Blätter wurden vorzeitig braun. Manche Bilder, die Paul Gerhardt in "Geh aus, mein Herz, und suche Freud" malt, passen nicht zur Lage, die der Klimawandel zeichnet.
Doch auch Gerhardt dichtet aus der Erfahrung von Zerstörung: die der Natur durch den Dreißigjährigen Krieg. Liest man genau, ist erst alles gut. Sieben Strophen loben „des großen Gottes großes Tun“. Die achte bezieht Menschen ein, deren Sinne geweckt werden, um dankbar zu loben. Dann wendet sich das Blatt: Zwar ist es hier schön, aber wie unvergleichlich besser wird es erst „nach dieser Welt / dort in dem reichen Himmelszelt / und güldnen Schlosse werden!“ Mit der Aufklärung ändert sich das Gottesbild. Und ein „Paradeis“, wie Gerhardt es beschreibt, ist nicht in Aussicht. Wir haben nur diese Erde, lautet der Warnruf. Theologische Aussagen müssen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht widersprechen.
In Gottesdiensten geht man meistens nach Strophe acht zu Strophe 14 und 15 über. Zählt Gerhardt schon zu Beginn die Bäume zu seinen Mitgeschöpfen, kommt er am Ende wieder auf sie zurück: „Mach …, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben.“ Martin Buber sagt: „Kein Eindruck ist der Baum, … sondern er leibt mir gegenüber und hat mit mir zu schaffen, wie ich mit ihm."
Wer an den Schöpfergott glaubt, kann Gerhardts Loblied kaum guten Gewissens singen. Gleichgültigkeit gegenüber den Lebensgrundlagen steht im Widerspruch zum christlichen Glauben.

Christoph Kuhn
Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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