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Holocaust: Wie sich unser Erinnern verändern muss
Gedenken neu denken

Aktivistin und Buchautorin Susanne Siegert (rechts) und Dorothee Schlüter vom Museum für Zwangsarbeit | Foto: Doris Weilandt
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  • Aktivistin und Buchautorin Susanne Siegert (rechts) und Dorothee Schlüter vom Museum für Zwangsarbeit
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„Gedenken neu denken“ ist der Titel des ersten Buches der in Leipzig lebenden Social Media-Aktivistin Susanne Siegert, das gerade in dritter Auflage erschienen ist.

Von Doris Weilandt

Bei der Buchvorstellung im Weimarer Museum für Zwangsarbeit war das Interesse groß. Als „prägnanteste Stimme der jungen Erinnerungskultur“ wurde sie von Mitarbeiterin Dorothee Schlüter vorgestellt. Das Wort „Erinnerungskultur“ hinterfragt Susanne Siegert kritisch. Ihr Social-Media-Kanal trägt es schon im Titel: "@keine.erinnerungskultur". Durch lokale Erinnerungspraxis hat sie sich mit einem persönlichen Ansatz den Verbrechen des Nationalsozialismus genähert.

Die Autorin ist in Kirchweidach in Bayern aufgewachsen. Im Nachbarort Mühldorf befand sich ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau. Mit knapp 30 Jahren war Siegert das erste Mal dort. Das Lagergelände kannte sie als Naherholungsgebiet. Vom Bunker, der nach 1945 gesprengt wurde, steht nur noch ein Fragment. Sie hat fotografische Eindrücke gesammelt und ihr erstes Video ins Netz gestellt – und war erstaunt über die Resonanz, die diese persönliche Begegnung mit einem Holocaust-Ort ausgelöst hat.

Die Gedenkstätte Mühldorfer Hart informiert auf ihrer Homepage ausführlich und mit historischen Fotos über den Bunkerbau, das Leben der Häftlinge und den Prozess von 1947 gegen die Lagerleitung. Auch die Deportationen zum Lager sind genau dokumentiert und einsehbar. Diese von Historikern zusammengestellten Fakten, die durch Originale belegt sind, sprechen das junge Publikum offenbar weniger an als der Bericht einer Aktivistin vor Ort. Warum, bleibt die Frage. Susanne Siegert fordert ihr Publikum zur Beschäftigung mit Tatorten der Region, den Tätern und zur Einbeziehung weiterer Opfergruppen in das Gedenken auf.

In Weimar ist zu Buchenwald, zu Opfergruppen und Einzelschicksalen geforscht und publiziert worden. Das Museum für Zwangsarbeit ist ein Ergebnis dieser Arbeit. Viele Jahre hat sich der langjährige Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, um diese Einrichtung bemüht, die die Geschichte der Millionen Männer und Frauen erzählt, die gegen ihren Willen unter unmenschlichen Bedingungen im Deutschen Reich zu Dienstleistungen gezwungen wurden. Er saß im Publikum. Anlässlich des Themas hätte er wenigstens erwähnt werden können.

„Ich wollte ein einfaches Buch schreiben für Menschen, die noch nicht viel zum Holocaust gelesen haben“, sagt Siegert. Doch die Fragen, die sie stellt, erfordern Wissen und keine einfachen Antworten. Wer sich ernsthaft mit den Verbrechen des Nationalsozialismus beschäftigen und kein Fachbuch lesen möchte, sollte zu den Publikationen ehemaliger Häftlinge, wie Imre Kertész oder Jorge Semprun, greifen.

Siegert, Susanne: Gedenken neu denken. Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss. Piper, 240 S., 18 Euro, ISBN 978-3-492-06545-0

Aktivistin und Buchautorin Susanne Siegert (rechts) und Dorothee Schlüter vom Museum für Zwangsarbeit | Foto: Doris Weilandt
Der Saal im Museum für Zwangsarbeit war gut gefüllt | Foto: Doris Weilandt
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