Bethlehem
Auf der Suche nach der Weihnachtsfreude
- Weihnachtsbaum auf dem weihnachtlich geschmueckten Manger Square in Bethlehem, Westjordanland, vor der Geburtskirche
- Foto: epd-bild/Debbie Hill
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Zu Weihnachten schaut wieder alle Welt auf die Kleinstadt im Westjordanland. Wie geht es dem Ort im Palästinensischen Autonomiegebiet unter israelischer Besatzung? Kann man in der angespannten Lage Weihnachten feiern?
Von Andrea Krogmann
Es wird wieder einen Weihnachtsmarkt auf dem Krippenplatz geben, auch die Lichter am zentralen Weihnachtsbaum sollen in traditioneller Zeremonie entzündet werden. Nach zwei Jahren kriegsbedingter Einschränkungen nahmen viele Bewohner und Christen im Heiligen Land die Nachricht der Stadt mit verhaltener Freude auf. Auch die ersten Touristen finden den Weg zurück in die Geburtsstadt Jesu. Bis zur Normalisierung ist es aber noch ein langer Weg.
Die meisten Hotels sind geschlossen. In Cafés und Restaurants herrscht wenig Betrieb, und viele der Kunsthandwerks- und Souvenirläden haben weiter geschlossen. In der Geburtskirche mit ihrer Grotte, in der ein silberner Stern auf weißem Marmor den Ursprungsort der Christenheit markiert, herrscht eine ähnliche Leere wie in den Gassen der Altstadt.
Seit die palästinensische Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 Israel brutal überfallen, mehr als tausend Menschen ermordet und Hunderte verschleppt hat, liegt die Tourismusbranche in den besetzten palästinensischen Gebieten brach – mit verheerenden Folgen für Arbeitsmarkt und Wirtschaft. Die Armut in Bethlehem habe ein ungekanntes Ausmaß erreicht, sagen Ordensleute. Sie helfen den Ärmsten. Geld gibt es nicht, aber Lebensmittelpakete, eine Kostenübernahme für ärztliche Versorgung, dringende Rechnungen oder Schulgelder. Gebrauchte Textilien werden für symbolische Beträge von einem Schekel (27 Cent) verkauft – ein Weg, den Menschen das Betteln zu ersparen. Manche Orden haben die Zahl ihrer Gärtner erhöht, um so Arbeitsplätze zu schaffen.
Fast alle in Bethlehem lebten direkt oder indirekt vom Tourismus, erklärt Xavier Abu Eid, geboren in Santiago de Chile als Sohn einer christlichen Familie aus Bethlehems Nachbarort Beit Sahur. Der Politologe hat sich auf Kommunikation, Tourismus und Archäologie spezialisiert.
Der Waffenstillstand in Gaza ist fragil. Im besetzten Westjordanland, zu dem auch Bethlehem gehört, seien die Trends alarmierend, sagt Abu Eid. Er nennt Übergriffe jüdischer Siedler sowie einen weiteren Ausbau jüdischer Siedlungen auf palästinensischem Autonomiegebiet. Was fehle, sei ein klarer Weg zum Ende der israelischen Besatzung.
Doch es gibt auch Stimmen in Bethlehem, die eine Rückkehr zu üppigeren Weihnachtsfestlichkeiten kritisch sehen. Wie könne man sich freuen, wenn es Menschen gibt, die nichts mehr haben, kein Essen, kein Dach über dem Kopf? Den Hunderttausenden Vertriebenen im Gazastreifen drohe angesichts von Mangel und Zerstörung ein harter Winter.
Der Christ Xavier Abu Eid findet die Entscheidung der Stadt Bethlehem trotzdem richtig. Weihnachten sei eine Botschaft der Hoffnung. Die Frage sei nur, wie man ein Gleichgewicht findet zwischen dem Weihnachtsfest und der heutigen Realität.
(kna)
Autor:Online-Redaktion |
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