Schöpfungstag
Zwischen Demut und Dilemma
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Dürre und Niedrigwasser: Die „Durststrecke“ der vergangenen Wochen sowie sinkende Fluss- und Grundwasserpegel sorgten bei Pflanzen für enormen Trockenstress. Mit den Folgen sieht sich auch Mortimer von Rümker, Vorsitzender des Umwelt-Ausschusses in der Landessynode der EKM, auf seinen Feldern konfrontiert. Beatrix Heinrichs hat mit dem Landwirt aus Gotha gesprochen.
Wie erleben Sie in diesem Jahr die Erntezeit?
Mortimer von Rümker: Die Ernte ist fast abgeschlossen. Wir haben in diesem Jahr keine Spitzenernte erwartet. Aber im Vergleich zum Durchschnitt der letzten drei bis fünf Jahre war es recht enttäuschend. Bis Ende Mai hat es noch fantastisch ausgesehen. Doch durch die schlagartig extrem heißen Temperaturen über 30 oder über 35 Grad ist alles notreif geworden. Damit fehlt der Ertrag.
Wie sollte eine dem Klimawandel angepasste Landwirtschaft aussehen?
Wetterextreme, wie die Dürre in diesem Jahr oder einen total verregneten Sommer, das wird es immer geben. Die Herausforderung ist, dass wir ein Jahr vorher die Entscheidung treffen müssen, was wir wann ausbringen. Wiederholt wird gefordert, dass sich die Landwirtschaft umstellen müsse. Dabei muss man wissen, dass die Züchtung neuer Sorten zehn bis zwölf Jahre dauert. Wenn man heute extrem hitzeresistente Sorten züchtet, dann werden diese erst Ende der 2030er-Jahre auf den Markt kommen.
Schon jetzt gibt es Getreidesorten, die weniger hitzeempfindlich sind. Allerdings bringen diese Sorten signifikant weniger Ertrag. Damit wird es für Betriebe immer schwieriger die Kosten zu decken, ganz egal, ob man konventionell oder biologisch arbeitet. Das ist ein Dilemma.
Fällt es Ihnen als gläubiger Mensch leichter diesem Dilemma zu begegnen?
Nicht wirklich. Ich sage mir aber: Nasse und trockene Jahre, das hat es immer gegeben. Davon spricht schon die Bibel. Im Alten Testament ist die Rede von den „sieben fetten und mageren Jahren“. Vielleicht habe ich als Christ ein wenig mehr Demut vor der Schöpfung, als andere. Ein Patentrezept habe ich aber auch nicht.
Tag der Schöpfung
Das Thema Biodiversität in der Pflanzenwelt steht auch im Zentrum des diesjährigen Ökumenischen Tags der Schöpfung am 4. September. Der Ökumenische Tag der Schöpfung wird seit 2010 in Deutschland auf Anregung der ACK begangen. Die Idee entstand vor 30 Jahren und verbindet die weltweite «Schöpfungszeit» vom 1. September bis zum Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi am 4. Oktober mit der Tradition ökumenischer Zusammenarbeit. Das Leitwort für die Veranstaltung in diesem Jahr stammt aus dem Buch Hiob im Alten Testament. Darin weist Gott den Propheten in die Schranken und fragt ihn: «Weißt du, wie weit die Erde sich erstreckt?»
Wie können Kirchengemeinden sich für die Schöpfungsbewahrung einsetzen?
Gemeinden können zum Beispiel etwas für den Artenschutz tun, indem sie Vogelnistkästen aufhängen oder günstigere Bedingungen für Fledermäuse schaffen. Mehr Spielraum, sich für den Umweltschutz einzusetzen, aber haben die Kreiskirchenämter. Zum Beispiel sollte man bei der Vergabe von Pachtflächen nicht nur aufs Geld achten. Oft haben ökologische Landwirte einen Vorteil bei der Vergabe von kirchlichen Acker- und Grünlandflächen. Zudem sollten noch mehr Anreize geschaffen werden, Blühstreifen anzulegen. Das wäre auch etwas, dass man auf kirchlichen Friedhöfen umsetzen könnte. Hier müssen nicht nur Efeu und Bodendecker wachsen, sondern kann auch Lebensraum für Insekten entstehen.
Bei allen Bemühungen sollte es weniger darum gehen, Kirchgemeinden etwas vorzuschreiben, sondern mehr darum, die Best-Practices herauszustellen. Gut wäre es zu zeigen, wo etwas gut funktioniert – wie bei der Abnahme von Strom aus dem EKM-Stromverbund. Die Landeskirche deckt ihren Stromverbrauch mittlerweile vollständig aus erneuerbaren Energien.
Auch der Ökumenischen Tag der Schöpfung nimmt Umweltfragen in den Blick. Unter dem diesjährigen Motto „Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?“ fordern die Initiatoren zu einen Perspektivwechsel im Umgang mit unseren Ressourcen auf. Ist das allein schon genug?
Für mich klingt das nach Aktionismus. Der Klimawandel ist nicht von heute auf morgen entstanden und wird sich ebenso wenig von jetzt auf gleich zurückzudrehen lassen. Darum ist Ressourcenschonung einfach wichtig. Egal ob Landesbischof oder Küster auf dem Dorf, wir alle sollten mit dem, was uns zur Verfügung steht, sorgsam umgehen.
Das Gengenteil ist aber oft der Fall. Man braucht sich nur den Energieverbrauch für den Bereich Mobilität anzusehen. Der nimmt im kirchlichen Raum stetig zu. Pfarrer auf dem Land haben immer größere Gemeindeverbände und Gemeindemitarbeiter müssen kilometerweit fahren, um Jugendliche einzusammeln müssen, um eine kleine Konfi-Gruppe zusammenzukriegen. Sich online zu treffen, wäre zwar eine Alternative, kostet aber auch Energie – und wäre kontraproduktiv, die man die jungen Menschen ja vom Bildschirm wegholen will. Auch das ist wieder ein Dilemma. Diese Veränderungen sollten wir immer wieder hinterfragen.
Autor:Beatrix Heinrichs |
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