Yad Vashem
Welche Außenstelle diskutiert werden
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Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis in Israel eine wichtige Entscheidung für das künftige Holocaust-Gedenken in Deutschland getroffen wird. Yad Vashem, die zentrale israelitische Gedenkstätte im Westen Jerusalems, soll eine Außenstelle in der Bundesrepublik bekommen. Zur Auswahl stehen neben Leipzig auch München, Köln und Düsseldorf.
Von Edgar S. Hasse
„Der Freistaat Sachsen mit dem möglichen Standort Leipzig gehört zu den drei Bundesländern, welche sich aktuell und in der finalen Phase um die Ansiedlung eines Yad Vashem Education Centers befinden“, sagte Sven Trautmann-Meincke vom Referat Internationale Zusammenarbeit der Stadt Leipzig dieser Zeitung. In Leipzig würden verschiedene Standortoptionen mit Yad Vashem diskutiert, um die Bedarfe für eine erfolgreiche Ansiedlung zu eruieren. „Ziel ist es, eine optimale Lösung für Yad Vashem zu finden, um Strahlkraft in die gesamte Bundesrepublik entfalten zu können.“
Die evangelische Kirche in Leipzig steht dem geplanten ersten Yad-Vashem-Bildungszentrum außerhalb Israels ausgesprochen positiv gegenüber. „Es ist eine große Geste, dass Yad Vashem (Zeichen und Name) im Land der Täterinnen und Täter eine Außenstelle aufbauen will“, sagte Pfarrerin Simone Berger-Lober, Vorsitzende der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft Leipzig, dieser Zeitung. „In einer Zeit, in der es kaum noch Zeitzeugen gibt, die uns ihre Geschichte erzählen können, braucht es neue Konzeptionen für die Bildungsarbeit, um die kommenden Generationen zu erreichen, um die Namen und Geschichten der Verfolgten und Ermordeten lebendig zu halten und Verantwortung für das heute zu zeigen.“ Ein Yad-Vashem-Bildungszentrum biete zudem „einen weiteren dringend benötigten Lern- und Begegnungsort auch für uns als Kirchen“, betonte die Pfarrerin an der Matthäuskirchengemeinde in Leipzig-Nordost.
Das Angebot von Yad Vashem komme in einer Zeit, in der Hass gegen Juden und Jüdinnen in einer schon lange nicht mehr da gewesenen Offenheit gezeigt werde, in der jüdisches Leben in Deutschland drohe wieder weniger sichtbar zu sein – aus Sorge vor Anfeindungen, fügte die Theologin hinzu.
Das neue Bildungszentrum soll nach Ansicht des Yad Vashem-Vorsitzenden Dani Dayan dazu beitragen, die „gefährlichen Phänomene der Verharmlosung und der Verzerrung des Holocaust zu bekämpfen“ und damit zu einem wichtigen Pfeiler im Kampf gegen Antisemitismus werden. Nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Umfrage der jüdischen Claims Conference wissen 40 Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren in Deutschland nicht, dass in der NS-Zeit sechs Millionen Juden ermordet wurden. Rund jeder zehnte junge Erwachsene in Deutschland habe noch nie etwas von den Begriffen Holocaust oder Schoa gehört. Nach aktuellem Forschungsstand – beschrieben auf der Website der Holocaustgedenkstätte Yas Vashem – wurden bis zu sechs Millionen Juden getötet, davon etwa eine Million im Vernichtungslager Auschwitz.
Angesichts dieser Entwicklung hat die Neukonzeption dieser Bildungsarbeit für die schwarz-rote Bundesregierung hohe Priorität. Sie unterstützte deshalb Yad Vashem bei der umfassenden, bundesweiten Machbarkeitsstudie der drei potenziellen Standorte in Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen. In den vergangenen Wochen führten Experten von Yad Vashem in den drei Bundesländern Gespräche, um den besten Standort für das neue Bildungszentrum zu ermitteln. In Leipzig begutachteten sie auch das Naturkundemuseum (Lortzingstraße 3). Das große Gebäude an exponierter Lage wird nach dem Umzug des Museums im Jahr 2029 oder 2030 frei und spielt in den Plänen eine herausragende Rolle.
Wie Sven Trautmann-Meincke von der Stadt Leipzig sagt, muss die vorgesehene Immobilie zahlreichen Anforderungen entsprechen – neben Brandschutz, Denkmalschutz und Barrierefreiheit gilt es, eine Ausstellung zu konzipieren, Büro- und Seminarräume einzurichten sowie Veranstaltungen zu planen. „Und alle Standorte erhoffen positive Effekte auf die Stadt und Region.“ Dass die Wahl auf das Gebäude des bisherigen Naturkundemuseums fallen könnte, hat für die Vorsitzende der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft eine gewisse Plausibilität. „Es kann in Korrespondenz gehen mit den zentralen Einrichtungen der Stadt, dem gegenüberliegenden Brühl, der in besonderer Weise durch ehemalige jüdische Handelshäuser geprägt ist auf der einen Seite und dem Waldstraßenviertel und der Nähe zur Israelitischen Religionsgemeinde und dem Ariowitschhaus als Zentren des aktuellen jüdischen Lebens der Stadt auf der anderen Seite.“
Im Unterschied zu den Mitbewerbern München, Köln und Düsseldorf kann Leipzig mit geografischer Nähe zu den östlichen Nachbarländern Polen und Tschechien punkten. Hier böten sich mögliche Kooperationen an, sagt Simone Berger-Lober. „Gerade in der Aussöhnungsarbeit mit Polen ist bereits zu DDR-Zeiten durch die Arbeit der Aktion Sühnezeichen Friedenzeiten von kirchlicher Seite Pionierarbeit geleistet worden. Diese Tradition könnte weiter gestärkt und teilweise wiederbelebt werden.“
Autor:Online-Redaktion |
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