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Evangelische Militärseelsorge - Veteranentag 2026
Gesehen. Getragen. Gewertschätzt.

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Liebe Mitmenschen!

Siehe, ich habe dich in meine Handflächen gezeichnet - so spricht Gott durch den Propheten Jesaja zu seinem Volk. (Jes 49,16) Angesehen-Sein, dieses „In-meinen-Händen-geborgen-Sein", das drückt die international ausgezeichnete Fotografin Daniela Skrzypczak mit ihrer Ausstellung  „Gesichter des Lebens" auf einzigartige Weise aus. Sichtbar machen: Sie fotografiert Soldatinnen und Soldaten, Veteranen der Bundeswehr - Menschen, denen sie mit ihrer Fotografie wieder ein Gesicht in unserer Gesellschaft geben möchte. Nicht nur die Uniform, sondern als ganze Person: mit ihren Biografien, ihren Gefühlen, Wünschen und Ängsten, ihrem Mut. Die kraftvollen Porträts und persönlichen Geschichten erzählen von einem Leben in Vielfalt, von Wertschätzung und dem Zusammenhalt unserer Gemeinschaft. Veteran sein heißt auch: Mensch sein. Sehen - Spüren - Fühlen.

Angesehen sein, nicht übersehen werden, wahrgenommen in unserer ganzen Verletzlichkeit und Kraft - das ist ein tiefes menschliches Sehnen. Für Soldatinnen und Soldaten, die ihre Kraft und oft ihre Gesundheit für unsere Freiheit einsetzen, ist dieses Angesehensein durch die Gesellschaft von besonderer Bedeutung. Der Veteranentag erinnert daran: Gott sieht jeden Menschen als sein wertvolles Geschöpf an. Als Kirche sind wir aufgerufen, diese göttliche Aufmerksamkeit widerzuspiegeln - gerade denen gegenüber, die viel geben und gegeben haben.

Zum Veteranentag: Soldatinnen und Soldaten sehen, anerkennen und begleiten

Am 15. Juni 2026 ist Veteranentag. Bundesweit finden Veranstaltungen statt - ein Tag der Wertschätzung und Anerkennung für Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. Sie sind es, die schwören: "Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Grundgesetz und alle in Kraft befindlichen Gesetze der BRD gewissenhaft zu beachten. Ich werde die Freiheit und die Rechte des deutschen Volkes tapfer verteidigen. So wahr mir Gott helfe." - oder: "Mit Leib und Leben."

Diese Sätze füllen sich für mich jeden Tag mit mehr Tiefe und Ernsthaftigkeit, seit ich bei der Evangelischen Militärseelsorge arbeite. Meine Begleitung der Soldatinnen und Soldaten auf dem Truppenübungsplatz hat mir gezeigt, welche enorme körperliche und psychische Leistung sie täglich erbringen. Am 11. Juni 2026 hat Oberst Klaus Glaab, Kommandeur vom Landeskommando Thüringen dies in seiner Rede anlässlich des Veteranentags im Thüringer Landtag treffend formuliert: Soldatinnen und Soldaten schwören, mit Leib und Leben für die Freiheit und das Recht der BRD einzustehen. Die anschließende Gesprächsrunde machte deutlich: Das kann Soldatinnen und Soldaten - und uns als Gesellschaft - etwas sehr Wertvolles kosten. Mitunter ist es ein hoher Preis an Körper und Seele: für die Freiheit unserer Gesellschaft, für unsere Demokratie oder für Bündnisverpflichtungen.
Nach der Definition der damaligen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen sind Veteraninnen und Veteranen: "Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die im aktiven Dienst stehen oder aus diesem Dienstverhältnis ehrenhaft ausgeschieden sind." Das ist eine weit gefasste Definition und trifft in Deutschland seit 1955 auf über 10 Millionen Menschen zu. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet "altgedient" -  im alten Rom waren Veteranen hochgeachtete Personen. Im Thüringer Landtag war es jetzt die erste Festveranstaltung zu diesem Gedenktag.

Wo Militärseelsorge ihre Kraft entfaltet

Auch die Evangelische Militärseelsorge war zur Gesprächsrunde eingeladen und stellt sich die Frage: An welcher Stelle können wir etwas leisten, wo es für andere schwierig ist?
In Kasernen, im Ethikunterricht, beim Feldgottesdienst, auf dem Truppenübungsplatz, bei Einsätzen, ob Alltagsprobleme, Momente der Angst oder nach traumatischen Erlebnissen - die Militärseelsorgerinnen und -seelsorger gehen mit. Sie unterliegen der Schweigepflicht und dem Beichtgeheimnis und sind nicht Teil der militärischen Hierarchie. Offen sprechen können und keiner Bewertung zu unterliegen - das ist ein wertvoller Raum und ein besonderer Schutz.

Drei Dimensionen geistlicher Begleitung

Gesehen werden. Da sein, bevor jemand fragt. In der Kantine sitzen, mitlaufen, ansprechbar sein. Seelsorge beginnt damit, wahrgenommen zu werden.
Getragen werden. Soldatinnen und Soldaten, die Schwieriges erlebt haben, brauchen oft keinen Rat. Sie brauchen jemanden, der aushält, was sie erzählen - ohne wegzuschauen. Das Erlebte darf gehört werden, ohne bewertet zu werden.
Gewürdigt werden. Dafür wurde 2011 das Arbeitsfeld "Seelsorge für unter Einsatz- und Dienstfolgen leidende Menschen" (ASEM) ins Leben gerufen. Das Projekt bietet Unterstützung für Hinterbliebene und arbeitet in multiprofessionellen Teams mit Soldatinnen und Soldaten, die unter den Folgen ihres Einsatzes leiden. Das Leitbild lautet: "Geteilte Lebenszeit" und "Gastfreundschaft." Das Angebot reicht von Auszeiten für Familien zum Thema Trauma über spezielle Maßnahmen für Paare, Kinder, Jugendliche und erkrankte Soldatinnen und Soldaten, unbeschwerte Wochen zusammen mit Tieren oder in Gemeinschaft auf dem Fluss unterwegs sein und Kanu fahren. Für 2026 werden bisher bundesweit 73 Aktionen mit insgesamt 1.250 Teilnehmenden gestaltet.

Was Menschen in diesem Dienst brauchen

Nach meiner Wahrnehmung sind drei Grundbedürfnisse entscheidend:

1. Würde: Das Gefühl, gesehen und respektiert zu werden. Jede Soldatin, jeder Soldat, jede Veteranin, jeder Veteran braucht die innere Gewissheit: Mein Dienst ist und war wichtig. Mein Einsatz wird anerkannt. Ich bin nicht nur eine Nummer, sondern ein Mensch mit einer Geschichte, die zählt. Ich bin überzeugt: Das ist das Fundament für jeden weiteren Heilungsprozess.
2. Zugehörigkeit: Das Erleben von Gemeinschaft und Kontinuität. Der Übergang vom Militär in den zivilen Alltag kann ein tiefer Bruch sein - plötzlich fehlt die Kameradschaft, der Zusammenhalt, die klare Struktur. Hier braucht es Menschen und Orte, die sagen: Du gehörst dazu. Du wirst nicht allein gelassen. Das sind Angebote wie die ASEM-Maßnahmen der Militärseelsorge, aber auch der alltägliche Austausch, das Verstanden-Werden durch andere. Auch Kirchengemeinden können Anlaufstellen sein - wenn sie Betroffene nicht verurteilen, sondern ihnen offen begegnen. Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem was Soldatinnen und Soldaten erleben ist auch ein Bildungsauftrag in den Gemeinden und in unserer Gesellschaft. 
3. Sinn: Die Möglichkeit, die Fragen stellen zu dürfen, die im Innersten brennen. Menschen, die Extremsituationen erlebt haben, ethische Grenzsituationen durchstanden haben, müssen ihre Fragen aussprechen dürfen: Wofür war das? Hätte ich anders handeln können? Was bleibt von all dem? Die Militärseelsorge ist ein Raum, in dem diese Fragen nicht als Vorwurf oder Schwäche gelten, sondern als das wahrgenommen werden, was sie sind: tiefe Fragen nach dem Sinn unseres Handelns und unseres menschlichen oft widersprüchlichen Lebens. Für unsere Gesellschaft im Ganzen wünsche ich mir mehr offene Räume, in denen wir miteinander ins Gespräch finden und sensibel zuhören können.

Am Veteranentag danke ich allen, die ihren Dienst leisten und geleistet haben! Seelsorge ist nicht nur etwas für ausgewählte Profis und sie beginnt nicht erst nach einer Krise, sondern in der alltäglichen Präsenz, in der aufmerksamen Wahrnehmung aller Menschen der Gesellschaft und in der würdevollen Begleitung. Das ist unser Auftrag - in der Kirche und als Gesellschaft.

Es grüßt Sie 
Pfarrerin Denise Scheel
Evangelische Militärseelsorge

Zum Nachschauen: 

www.gesichter-des-lebens.de - (die Ausstellung ist noch bis zum 20.6.2026 im Thüringer Landtag zu sehen)

www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/erfurt/video-veteranen-wuerdigung-landtag-100.html

https://www.bundeswehr.de/de/bundeswehr-erleben/veranstaltungen-bundeswehr/nationaler-veteranentag-2026-zentralveranstaltung-berlin-6080762

Autor:

Denise Scheel

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