Kirche zu Döben bei Grimma
Prachtvoller Altar, feine Deckenmalerei

Die Kirche Döben bei Grimma | Foto: Thomas Gatzemeier
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  • Die Kirche Döben bei Grimma
  • Foto: Thomas Gatzemeier
  • hochgeladen von Holger Zürch

Kirchenbauwerke gehören zu vielen Ortschaften. Sie sind bekannt als Wahrzeichen, Ortsmittelpunkt oder Orientierungsmarke. Die Gotteshäuser haben architektonisch, kunsthistorisch und regionalgeschichtlich vielfältige Bedeutung. Diesmal geht es um eines der ländlichen Gotteshäuser, die bislang wenig öffentlich wahrgenommen werden.

Die evangelische Kirche zu Döben ist eine ursprünglich romanische Kirche mit später erbautem Chorturm. Das Gotteshaus steht im Ortsteil Döben der Stadt Grimma im Landkreis Leipzig in Sachsen. Es gehört zur Kirchgemeinde Döben-Höfgen im Kirchenbezirk Leipziger Land der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

Mit ihrer komplett künstlerisch gestalteten Holzdecke im Kirchenschiff ist das Gotteshaus ein Zeugnis ländlich-barocker Malerei in Sachsen und gehört zu den sogenannten Bilderkirchen.

„Ihre wechselvolle Baugeschichte, die in ihrer Gesamtheit einzigartige barocke Innenausstattung sowie die malerische Lage auf dem Kirchhügel machen die Kirche Döben zu einem bedeutenden Zeugnis ländlicher Sakralarchitektur in Mitteldeutschland“, so die Einschätzung des Künstlers Thomas Gatzemeier aus Leipzig.

Geschichte und Architektur
Die ortsbildprägende Kirche Döben entstand aus dem mehrfachen Umbau einer ursprünglich romanischen Kirche, die in der heutigen Gestalt hauptsächlich vom barocken Umbau um 1696 bestimmt ist.

Der Chorraum ist der älteste erhaltene Teil des Bauwerks und geht auf das 12. Jahrhundert zurück. Auffällig ist die aus dem 13. Jahrhundert stammende Turmstube, die auf die einstige Funktion als Wehrkirche deuten lassen.

Der polygonale Schluss des Chorraumes verweist auf spätgotische Umbauten. Dieser Raum wird von einem außergewöhnlichen Zellengewölbe abgeschlossen – eine Gewölbeform, die in der Übergangszeit von Gotik zur Renaissance vereinzelt in sächsischen Landkirchen zu finden ist – und oft repräsentativeren Kirchen vorbehalten war.

Der übrige Chor ist mit einem Kreuzgratgewölbe überspannt, das architektonisch eine Verbindung von romanischer Stabilität und gotischer Raumöffnung darstellt. Das Chorpolygon geht zurück auf die Kapelle, die 1507 auf Veranlassung der Brüder von Maltitz errichtet wurde. Um 1600 entstand ein zweigeschossiger Anbau an der Nordseite des Chores.

Das Schiff der Kirche wurde im 17. Jahrhundert erneuert, die Sakristei 181. Restaurierungen gab es in den Jahren 1910/11, 1959 und 1963.

Die Kirche ist ein teils verputzter Bruchsteinbau mit Chorturm, der mit einem achtseitigen Glockengeschoss und einer barocken Haube abgeschlossen ist. Das Chorpolygon zeigt reich gestaltete Maßwerkfenster und Strebepfeiler, der Saal einfache Spitzbogenfenster. An der Südseite ist eine Sonnenuhr angebracht.

Das Innere ist geprägt von der barocken Ausstattung des 16. und 17. Jahrhunderts. Den Saal schließt eine bemalte Bretterdecke von 1696 ab, diese zeigt in vier Rundbildern und in einem zentralen Sechseck die Anbetung der Hirten, die Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt Christi sowie das Jüngste Gericht.

Der Saal hat an drei Seiten doppelgeschossige Emporen, die westliche Empore zeigt eine geschwungene Brüstung auf gewundenen Holzsäulen. Der Chor wird überspannt von einem Kreuzgratgewölbe, das Chorpolygon von einem Zellengewölbe. An der Nordseite des Chores ist eine zweigeschossige Herrschaftsloge mit Schnitzwerk und Kreuzgratgewölben im Innern eingebaut.

Die Emporen-Brüstung zeigt gemalte Darstellungen in Rundfeldern mit dem Abendmahl, der Fußwaschung, Christus in Gethsemane, der Erscheinung Christi vor den Grabwächtern und der Gefangennahme.

Ausstattung
Die Bretterdecke im Innern ist komplett mit christlichen Darstellungen ausgemalt, die 1983 und 1992/93 restauriert wurden. Das Gotteshaus zählt damit zu den sogenannten Bilderkirchen.

Der prachtvolle Altar von 1591 wurde vermutlich von Franz Ditterich den Älteren gestaltet. Eine andere Quelle schreibt das stattliche Holzschnittwerk der Spätrenaissance - etwa 5 Meter mal 2 Meter groß und mit der Jahreszahl 1594 im Hauptteil – dem Bildschnitzer Valentin Silbermann aus Leipzig zu, der in der Zeit von 1584 bis 1615 in Leipzigs Umgebung gewirkt hat. Die seitlichen Ansätze sind spätere barocke Zusätze der Umgestaltung von etwa 1700.

Der Altar zeigt zwei Predellen; die untere, ältere mit einer Anbetung der Hirten und die obere von 1591 mit Christus im Garten Gethsemane und dem Abendmahl. In seinem Hauptfeld sind zwischen doppelten Säulen ein Relief der Kreuztragung und der Grablegung Christi angeordnet, darunter als Hochrelief die Stifterfamilie von Schönfeld unter dem Kruzifix kniend. In den Wangen sind Wappen und Initialen des Stifters zu finden.

Die korbartige Kanzel aus dem 17. Jahrhundert wird von einer Figur des Mose getragen und zeigt an der Brüstung Reliefs der Evangelisten und an der Treppenbrüstung die Apostel in gemalter Darstellung: Auf der Tür und dem Treppenaufgang sind die Apostel Matthias, Judas Jakabus, Philipus, Bartholomäus, Thomas, Jakobus und Simon dargestellt, auf der Kanzelbrüstung die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.

Über der Kanzel thront ein sechseckiger Schalldeckel. An den Ecken stehen vier barocke Engel mit Marterwerkzeugen und in der Mitte erhöht Christus.

Aus dem Mittelalter stammen der große romanische Taufstein und die rundbogige Sakramentsnische im Chor.

Das lebensgroße Kruzifix wurde wohl im 16. Jahrhundert geschaffen. Ein Grabstein aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts erinnert an den Burggrafen von Döben und zeigt eine bärtige, barhäuptige Figur mit Schwert. Ein Kindergrabstein erinnert an die 1602 gestorbene Dorothea von Schönfeld.

Orgel und Geläut
Die Orgel schuf die Orgelbaufirma Schmeisser im Jahr 1911.

Bei der Restaurierung im Jahr 1911 wurden die Glocken aus dem 15. Jahrhundert von drei neuen Bronze-Glocken ersetzt. Zwei dieser drei Glocken mussten im Zweiten Weltkrieg als sogenannte Metallspende abgegeben werden – sie wurden eingeschmolzen, die dritte später gegen drei Stahlglocken getauscht.

Das Geläut besteht seitdem aus drei Stahlgussglocken, der Glockenstuhl aus Stahl und die Glockenjoche aus Stahlguss. Diese Glocken wurden im Jahr 1960 von der Glockengießerei Schilling & Lattermann aus Apolda gegossen, sie haben die Schlagtöne f′, as′ und b′.

Als „Wohnzimmerkirche“ offen für alle
Die Kirche Döben ist neuerdings auch „Wohnzimmerkirche“ – als niedrigschwelliges Veranstaltungs-Angebot für nichtgläubige und konfessionslose Menschen. Beim jüngsten Termin vor einigen Tagen ging es um „Gespräch und Austausch zwischen Popsongs, Gebet und Segen, dabei steht die Lust im Fokus, Gott und die Welt in die Wohnzimmerkirche zu holen – jeder ist willkommen!“, so die Veranstalter. Die Leipziger Volkszeitung berichtete jetzt in ihrer Lokalausgabe für den Landkreis Leipzig ausführlich über die Wohnzimmerkirche.

Dankeschön: Die Innenaufnahmen und eine Außenaufnahme stammen vom in Leipzig lebenden Künstler Thomas Gatzemeier – er hat seine Fotos freundlicherweise für diese Veröffentlichung bereitgestellt.

Koordinaten: 51° 14′ 22,4″ N, 12° 45′ 50,2″ O

https://de.wikipedia.org/wiki/Dorfkirche_D%C3%B6ben_(Grimma), dort auch Verzeichnis der Autoren; Textnutzung entsprechend Creative Commons CC BY-SA 4.0
https://blog.thomas-gatzemeier.de/dorfkirche-doeben-bei-grimma/
https://doeben.de/die-kirche/

Die Kirche Döben bei Grimma | Foto: Thomas Gatzemeier
Orgel, Emporen und Deckengemälde | Foto: Thomas Gatzemeier
Deckenmalerei - Detailansicht | Foto: Thomas Gatzemeier
Altar | Foto: Thomas Gatzemeier
Kanzel | Foto: Thomas Gatzemeier
Kirchenschiff mit Sonnenuhr | Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18754313
Autor:

Holger Zürch

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