Mehr als ein biologischer Apparat

Michael Utsch

Um eine schwere Krankheit bewältigen zu können, kann der Glaube an Gott Heilungskräfte erzeugen, erzählt der Religionspsychologe Michael Utsch im Gespräch mit Constanze Bürger. Denn im Gebet und im Gottesdienst schüttet der Mensch Anti-Stresshormone aus. Der Körper entspannt.

Herr Utsch, warum spielt der Glau-be eine wichtige Rolle bei der Genesung?
Utsch:
Wenn man die religiös-spirituelle Dimension in die Medizin einbezieht, kommt die Seele stärker zum Vorschein. Der Mensch ist nicht nur ein biologischer Apparat, sondern ein empfindendes Wesen. Der Machbarkeitswahn des medizinischen Menschenmodells muss relativiert werden. Man kann den Menschen nicht mit einer Maschine vergleichen. Gerade das seelische Erleben ist eine wichtige Dimension: Schmerzen empfinden, Empathie haben, Vertrauen und Hoffnung entwickeln – das zeichnet den Menschen aus.

Könnte man Gottesdienstbesuche und Gebete als Therapie verschreiben?
Utsch:
Glaube ist eine Beziehungsform. Beziehung lebt von gemeinsamer Zeit und Geschichte. Die Krankheitsphase ist eine Zeit der Neuorientierung, Reinigung und Läuterung. Für viele Menschen hat sich im Rückblick auf die Krankheitszeit etwas Wesentliches geändert. Im besten Fall ist Dankbarkeit ent­standen, die sagt: Gott hat mir das zugemutet und meine Gottesbeziehung hat sich in der Krisenzeit verstärkt. Viele Studien zeigen, dass eine Gottesbeziehung durch so eine intensive Leidenszeit profitiert.

Macht Glaube gesund?
Utsch:
Gottes Kraft kann Heilwirkungen entfalten. Diese heilende Dimension ist nicht mit einem Medikament, das man dosieren kann, vergleichbar. Die spirituellen Rituale setzen im Körper Entspannungsreaktionen frei. Diese Anti-Stress-Wirkung kann wesentlich zur Gesundung des Patienten beitragen. Stresshormone wiederum hemmen Heilungsprozesse. Ein auch kurzes Innehalten sollte man nicht unterschätzen.

In vielen Krankenhäusern sorgen besonders geschulte Seelsorger für dieses Innehalten und haben ein offenes Ohr und Herz für Patienten …
Utsch:
Das Besondere an der Krankenhausseelsorge ist, dass sie Rituale anbieten kann. Das können Ärzte und Psychotherapeuten nicht. Wenn wir von einer ganzheitlichen Behandlung sprechen – Körper, Seele und Geist – dann haben wir heute oft eine exzellente ärztliche, psychotherapeutische und pflegerische Versorgung. Aber der spirituelle Bereich ist häufig unterbelichtet! Seelsorger können eine Segnung, Salbung und ein Gebet anbieten. Damit bittet man speziell um Gottes Beistand, Stärkung, Schutz und Heilung.

Warum würden Sie eine Behandlung in einem konfessionellen Krankenhaus empfehlen?
Utsch:
Viele Menschen sind enttäuscht von der Apparatemedizin und achten verstärkt auf ein mitmenschliches Klima. Nach der Einnahme von Medikamenten kann man oftmals sofort messen, was sich verbessert hat. Aber gerade die Beziehungsqualität, das Teamklima auf Station oder die liebevolle Gestaltung des Andachtsraums spielen eine wichtige Rolle im Genesungsprozess. Christliche Krankenhäuser haben etwas Besonderes anzubieten, was Patienten anderswo nicht bekommen.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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