Kurz erklärt
Wie kam die Kirche zum Kreuz?

Kruzifix in der Leipziger Thomaskirche: Das Kreuz steht als Zeichen der Auferstehung Jesu von den Toten. Im Unterschied zum einfachen Kreuz trägt das Kruzifix den Leib des gekreuzigten Christus. Die künstlerische Darstellung ist Sinnbild für das Opfer Christi, das er zur Erlösung der Menschheit gebracht hat. | Foto: epd-bild
  • Kruzifix in der Leipziger Thomaskirche: Das Kreuz steht als Zeichen der Auferstehung Jesu von den Toten. Im Unterschied zum einfachen Kreuz trägt das Kruzifix den Leib des gekreuzigten Christus. Die künstlerische Darstellung ist Sinnbild für das Opfer Christi, das er zur Erlösung der Menschheit gebracht hat.
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Früher Folterinstrument, heute Hoffnungssymbol: Der evangelische Theologe Wolfgang Reinbold erläutert, wie das Kreuz zum Symbol für das Christentum wurde.

Hannover (epd). Das Kreuz steht heute wie kein anderes Zeichen für das Christentum. Das sei rückblickend gar nicht so selbstverständlich, sagt der evangelische Theologe Wolfgang Reinbold: «Das liegt daran, dass das Kreuz ein Folterinstrument war. Die Römer hängten Verbrecher und politische Rebellen an Holzpfähle und Kreuze und ließen sie daran verrecken, um es drastisch zu sagen.»

Weil die Kreuzigung zur Zeit der ersten Christinnen und Christen noch praktiziert wurde, taten sie sich schwer damit, das Kreuz als Symbol zu verwenden. «Damals waren eher andere Symbole wie der Fisch verbreitet», sagt Reinbold. Auch das sogenannte Christusmonogramm diente als Erkennungszeichen. Es besteht aus den übereinander geschriebenen griechischen Buchstaben X und P (Chi und Rho), den ersten Buchstaben des griechischen Wortes für Christus.

Im 4. Jahrhundert schaffte das Römische Reich erst die Kreuzigungsstrafe ab und machte später das Christentum zu seiner Staatsreligion. Beides erleichterte es Christinnen und Christen, das Kreuz öffentlich zu tragen oder darzustellen. Dabei konnten sie an ältere Traditionen anknüpfen. «Das Kreuz ist als Symbol viel älter als das Christentum. Es ist eines der Ursymbole der Menschheit», sagt Reinbold.

Heute befindet sich in vielen Kirchen ein Kreuz in der Nähe des Altars. In vielen liturgischen Traditionen gibt es ein Prozessionskreuz, das zum Altar getragen wird. Das Kreuz dient als Siegeszeichen. «Das Kreuz ist kein Symbol für das grausame Sterben, sondern das Zeichen für den Sieg über den Tod. So ist es zum Hauptsymbol für das Christentum geworden», sagt Reinbold.

In jüngster Zeit sind mehrere Entwicklungen gleichzeitig zu beobachten. Einerseits wird das Kreuz einfach als Schmuckstück oder Schmuckzeichen verwendet, etwa als Tattoo. Andererseits wird es als politisches Symbol eingesetzt. Besonders bedrückt habe ihn der Anblick eines Kreuzes im islamisch geprägten Bosnien-Herzegowina, sagt Reinbold. «Hoch über der Stadt Mostar steht ein gewaltiges, weithin sichtbares Kreuz als Triumphzeichen gegen die Muslime». Das sei ein Rückfall in düstere Zeiten. «Wir sollten das Kreuz nicht missbrauchen.»

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