Freitag, vor eins ...
Unsere Seite 1 - Dancefloor statt Dom
- hochgeladen von Beatrix Heinrichs
Kennen Sie Guilherme Peixoto? Für den Fall, dass Ihnen der Name nichts sagt, sollten Sie jetzt die Lautstärke an Ihrem Gerät kurz hochdrehen: Der 51-jähige Priester aus dem portugiesischen Bistum Braga ist vermutlich der coolste "Verstärker" für die christliche Botschaft, den die katholische Kirche zu bieten hat.
Von Beatrix Heinrichs
Wie man das Evangeliums verkündet und damit wahnsinnig viele Menschen bei bester Laune erreicht, das hat er nicht etwa im Theologiestudium gelernt. Nein, Padre Guilherme hat dafür mit über 30 noch einmal die Schulbank - Verzeihung: das Mischpult gedrückt. Man ahnt es, im Unterricht ging es weder um Gottesdienst-Liturgie, noch um Seelsorge-Tipps. Der Padre mit einer Vorliebe für elektronische Musik hat gelernt, wie man mixt und scratcht, einen Endlos-Loop auflegt und bei wieviel „beats per minute“ das Partyherz zu hüpfen beginnt. Seine Fähigkeiten hat er perfektioniert und legt sein Lobpreis-"Set" inzwischen vor großer Gemeinde auf - mit dem Segen des Papstes höchstpersönlich.
Zugegeben, ein Priester, der nicht vorm Altar sondern auf der Club-Bühne steht - das ist schon skurril. Dafür aber umso wirkungsvoller. Während andere seiner DJ-Kollegen Oldies von ABBA oder den Beach Boys über die Plattenteller schieben und sie mit ein paar Bässen versehen für die nächste Generation tanzbar machen, setzt Padre Guilherme auf einen Mix aus Techno-Beats und päpstlichen Segensworten. Er wolle die Menschen mit einer Botschaft der Hoffnung und des Glaubens erreichen, sagt er. So funktionierten seine Tracks eben auch als Gebete, schreibt er auf Instagram, wo ihm 2,7 Millionen Nutzer folgen. Oh Wunder - und wie sie funktionieren: Der Padre ist gut gebucht, weltweit.
Doch wo Licht ist, fällt auch Schatten. Kritiker, darunter auch Geistliche, werfen dem DJ-Priester vor, seine Shows verzerrten christliche Bräuche und würden gegen die Moralvorstellungen der katholischen Kirche verstoßen. Padre Guilherme bleibt da nur an Toleranz und Nächstenliebe zu appellieren. Versöhnend und beharrlich tut er das, er weiß um die Kraft der Musik. Und das vermutlich spätestens seit seiner Zeit als Militär-Kaplan. Das Amt führte ihn in den Kosovo und nach Afghanistan. Hier organisierte er auch Veranstaltungen für die Soldaten und begann als DJ aufzulegen. Musik ist imstande die Abgründe dieser Welt zu überwinden und Menschen zusammenzubringen, davon ist Padre Guilherme überzeugt. Eine Erfahrung, die er mit anderen Geistlichen teilt.
Einen klangvollen Mix finden Sie in dieser Woche auch in unserer aktuellen Ausgabe, in der wir unter anderem die kirchenmusikalischen Highlights des Jahres zusammengetragen haben.
Gute Lektüre!
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Autor:Beatrix Heinrichs |
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