Leuchtendes Fundament unseres Glaubens

»Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.«
1. Johannes 2, Vers 8 b

Das sind alles nur Worte!«, sagt der Witwer, als wir beide die Kirche verlassen. Gerade haben wir einen Gottesdienst voller Licht erlebt. – Wie recht hat er in seiner Lage! Sogar »Licht« ist ja zunächst nur ein Wort. Mehr als 170 Mal kommt es in unserer Lutherbibel vor, weit überwiegend in übertragener Bedeutung. Worte können Licht anzünden, aber sie tun das, wenn sie es denn tun, immer in einer Wirklichkeit und Erfahrung, die diesem Licht oft fundamental widerspricht. Sie ändern z. B. nichts an Vergänglichkeit, Altern und Tod, nichts an den Katastrophen, die Menschen treffen, an der Zukunft, die oft dunkel erscheint und es vielleicht auch ist. Trotzdem sind und bleiben sie da – ein manchmal geradezu ärgerliches, aber doch vorhandenes Wunder.
Dass Gott, der Grund alles Lebens, »freundlich« ist (Ps. 100,5), gnädig, barmherzig und gerecht (Ps. 112,4), dass die gesamte Schöpfung wunderbar ist (Ps. 104) und zu Freude und Dankbarkeit einlädt – all das wird schon in den Schriften des Alten Testaments besungen – und Menschen halten sich daran, bekräftigen es, indem sie es wiederholen und so für sich wahr sein lassen.
Unser christlicher Glaube spricht diese alten Lichtworte nach, macht sie sich zu eigen, sie sind sein Fundament. Doch ist für uns noch ein »Licht« dazu gekommen, das das Licht aller älteren Worte auf sich zieht und in sich vereint: der, den der Evangelist Johannes von sich sagen lässt: »Ich bin das Licht der Welt« (Joh. 8,12), den er sogar das eine, ewige »Wort« Gottes nennt (Joh 1,1). Es leuchtet gerade denen, »die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes« (Lk 1,79), als sei das sogar eine Voraussetzung, es sehen zu können, so unverständlich das bleibt.
Manchmal kann man diese Worte nur im Dunkel für sich nachsprechen. Oder andere tun es für uns, bis es hoffentlich wieder heller wird. Letztlich kann sich das Licht nur selber offenbaren. Und wenn unser Glaube dann darauf antwortet, geschieht allemal das eigentliche Wunder: »die Finsternis vergeht«.
Pfarrer i. R. Ulrich Placke, promovierter Theologe, Weimar

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