Schlaglichter: Die Fusion aus unterschiedlichen Blickwinkeln
»So wachsen wir weiter zusammen«

Ich erinnere mich gut, wie wir das neue Landeskirchenamt 2011 bezogen haben. Dies steht für mich auch symbolisch für einen Neubeginn: Wir kommen aus zwei Kirchen, aus sehr verschiedenen Regionen und konfessionellen Identitäten.
Wir bringen unsere Geschichte(n) mit. Und trotzdem gehören wir zusammen. Wir arbeiten in einem und an einem Haus. Unsere moderne Kirchenverfassung ist die Grundlage unserer Arbeit. Das Landeskirchenamt ist offen und liegt mitten in der Stadt – ein Bild dafür, dass wir als Kirche Teil der Gesellschaft sind. So muss ein Landeskirchenamt Kontinuität sichern und neue Wege gehen. Ein Spannungsfeld. Hier sind wir mit Initiativen und Projekten, Erprobungen und Modellregionen unterwegs. Dabei ist »gemeinsam« ein leitendes Motiv: gemeinsam mit Haupt- und Ehrenamtlichen in Gemeinden und Kirchenkreisen, gemeinsam, so verschieden Regionen und konfessionelle Identitäten auch sein mögen, gemeinsam mit Landessynode und Landeskirchenrat. So wachsen wir weiter zusammen.
Brigitte Andrae, Präsidentin des Landeskirchenamtes


Schaue ich zurück, fasziniert mich an den vergangenen zehn Jahren die Beständigkeit des Wandels: Am Anfang der Wandel der Blickrichtung: Weg vom nostalgischen Rückblick auf die Zeit der Volkskirche – hin zum Blick in die gemeinsame Zukunft einer Landeskirche, die mehr als ein Land umfasst.
Dann der Wandel im Miteinander: Weg von der Betonung regionaler Besonderheiten – hin zum gemeinsamen Dienst unter neuen, nicht immer leichten Bedingungen. Aber auch weg vom Meckern über »die da oben«. Plötzlich waren wir das nämlich selbst. Es wandelte sich auch unser Gestaltungsspielraum. Allmählich bekamen wir in der Mittleren Ebene mehr Verantwortung und mussten unser Augenmerk auf Entwicklungen legen, erwünschte und auch unerwünschte.
Und schließlich der Wandel »vom Abbau zum Umbau«: Wie soll man das nun wieder machen? Vielleicht hilft ja ein Blick in die Bibel? »Darum gehet hin und lehret alle Völker« Mt. 28,19. Das hat Jesus damals den Jüngern gesagt, und die haben es gemacht. Wo denn wären wir sonst jetzt? Darüber haben wir nachgedacht: Veranstaltungen im öffentlichen Raum bei den Kirchentagen auf dem Weg, unsere Weihnachtsgottesdienste auf dem Jenaer Marktplatz, aber auch interreligiöse Friedensgebete vor unserer Jenaer Stadtkirche. Der oben zitierte Auftrag endet tröstlich: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
Katharina Elsäßer, Präses der Kreissynode Jena

Aufgewachsen bin ich in Arnstadt. Meine Kirche war die Gemeinde vor Ort. Und das war ganz einfach und ebenso normal. Nur in Erfurt, 20 Minuten mit der Bahn entfernt, war immer alles anders. Da war eine andere Kirche – warum auch immer. Aber evangelische Christen gab es da auch, hieß es.
Dann kam ich zur Musikschule nach Erfurt, Blechbläserensemble, Orchester. Und neben mir am Pult mein Freund, auch er im Posaunenchor – aber gemeinsam musiziert haben wir nur in der Musikschule. Und die Auftritte führten uns in die Parteischule oder zu Jugendweihen, aber nie zu Gottesdiensten oder zu Martini auf den Domplatz. Verstehen konnte von uns Heranwachsenden niemand so recht, warum wir mitten in Thüringen zwar gemeinsam evangelische Christen und im Posaunenchor aktiv sind – aber in strikt voneinander getrennten Kirchen.
Ich ging zum Studium, hatte inzwischen auch etwas mehr von den verschiedenen Landeskirchen und ihren Grenzen gehört. Wir saßen gemeinsam im Hörsaal, mein Freund und ich: Beide wohnten wir in Thüringen, hörten dieselbe Vorlesung derselben Professoren – und doch sagte man uns, dass wir uns auf den Dienst in theologisch so unterschiedlichen Kirchen vorbereiten: Er für den Dienst in der KPS, ich für die ELKTh. Unser gemeinsamer Traum war es, in einer Kirche arbeiten zu können.
Und es kam so. Gottlob. Auch für uns Bläserinnen und Bläser. Es waren lange und schwierige Verhandlungen in den Jahren 2003 und 2004, für die ich den damaligen Akteuren von Herzen dankbar bin. Ich selbst durfte beim Hochzeitsfest

der Werke, dem Mitteldeutschen Bläsertreffen 2005 in Jena gemeinsam mit LPW Frank Plewka das Eröffnungskonzert leiten. Ein Erlebnis, auf das ich bis heute dankbar und stolz zurück blicke. Und heute können wir voller Freude sagen: Wir Bläserinnen und Bläser sind zu einem Werk in einer Kirche zusammengewachsen und sagen gemeinsam: Lobet den Herrn mit Posaunen.
Steffen Pospischil, Pfarrer in Bad Tennstedt (Kirchenkreis Mühlhausen)und Obmann des Posaunenwerks

Autor:

Online-Redaktion

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