Peter-Raphael Richwien
Eine Bühne für den Papst

Peter-Raphael Richwien (r.) und Ralf Lischke mit den Altarflügeln der Kirche in Bischofferode. | Foto: Reiner Schmalzl
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Er hat meist im Verborgenen gewirkt, unter Holz- und Stuckdecken von Kirchen oder historischen Gebäuden sowie in seiner heimischen Werkstatt.

Von Reiner Schmalzl

Am 7. Dezember 2025 ist der Kirchenmaler und Restaurator Peter-Raphael Richwien aus Lengenfeld (Kirchenkreis Mühlhausen) im Alter von 74 Jahren gestorben. Er hat meistens im Verborgenen gewirkt, unter Holz- und Stuckdecken von katholischen und evangelischen Kirchen, Kapellen oder historischen Gebäuden sowie in seiner heimischen Werkstatt.  Bis vor wenigen Jahren noch hat der hochspezialisierte Handwerker mit Skalpell und Pinsel durch sein kreatives Gespür, Geschick und große Sorgfalt demütig so manche Heiligenfiguren, Bildstöcke, Altäre, Plastiken und Gemälde zu neuem Glanz verhelfen können.

Bauherren, Denkmalpfleger sowie Vertreter anderer Gewerke haben immer gern mit Peter-Raphael Richwien zusammengearbeitet und dessen fachliche Kompetenz sehr geschätzt. „Wir haben manchmal bis in die Nacht hinein gearbeitet, um unsere Termine zu halten“, sagte Tischlermeister Ralf Lischke aus Faulungen, dem mit Richwien stets ein versierter Experte bei vielen ihrer gemeinsamen Projekte zur Seite stand.

So konnten sie beispielsweise 2005/06 den fast verschollenen Hochaltar in der Hildebrandshäuser Kirche „Heilig Kreuz“ rekonstruieren und nahezu in seinen Ursprungszustand versetzen. Etwa zehn Jahre später wiederum gelang es ihnen, zumindest zwei Reliefs des ehemaligen Hochaltars von „St. Georg“ in Dieterode mustergültig zu restaurieren. Als Einzelbilder des entfernten Altars im gotisierenden Stil von 1894 des einheimischen Bildhauers Christoph Staender (1854 bis1910) sind sie nun wieder in jener Kirche präsent. Eines der zu neuem Leben erweckten Reliefs zeigt die heilige Familie und ein weiteres den heiligen Dominikus als eher seltene Darstellung in hiesigen Kirchen. Peter-Raphael Richwien hätte damals am liebsten den gesamten Altar wieder aufgebaut. Dieser war im Zuge der umstrittenen Verbannung vor etwa 50 Jahren glücklicherweise „nur“ in Einzelteile zerlegt und für einen Dornröschenschlaf zwischengelagert.

Der Lengenfelder Künstler musste in der 1960er- und 1970er-Jahren schweren Herzens zusehen, als aus vielen Eichsfelder und Thüringer Kirchen barocke und neugotische Ausstattungen verschwanden. Verschiedene Pfarrer und Kirchengemeinden und besonders Joachim Kardinal Meisner (1933 bis 2017) hätten damals jedoch Widerstand geleistet. „Er hat sich vehement dagegen gestemmt, dass nicht weitere Kirchen ausgeräumt worden sind“, erinnerte Richwien einst.

Bereits im Jahr 1983 hat er den sogenannten Ratsstuhl aus der frühen Barockzeit in der Marienkirche Mühlhausen restauriert. In mühevoller Kleinarbeit verhalf Richwien beispielsweise die Gemälde an den Emporen der evangelischen Kirche „St. Margareta“ von Wahlhausen zu neuem Glanz. Bei den Gemälden handelt es sich um Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Der gläubige Künstler vermochte sich hierbei oder auch an anderer Stelle oftmals tief in das biblische Geschehen hineinzuversetzen. Und weniger kundigen Betrachtern erläuterte er dabei gern die jeweiligen Darstellungen.

Während seiner Tätigkeit als Kunstgutbeauftragter des Bistums Erfurt hat Dr. Falko Bornschein seit 2004 über 70 Projekte begleitet, an denen Peter-Raphael Richwien maßgeblich beteiligt gewesen war. Neben seiner restauratorischen Sorgsamkeit und des handwerklichen Geschicks habe er vor allem dessen Pragmatismus und absolute Zuverlässigkeit sehr geschätzt.

Die Liebe zu seinem Beruf wurde dem jetzt verstorbenen Kunsthandwerker in erster Linie durch seinen Vater Joseph Richwien (1912 bis 1992) geweckt und in die Wiege gelegt. Dieser hat eine Fülle von Kirchen und Kapellen weit über die Grenzen des Eichsfeldes hinaus mit Kreuzwegen und Gemälden ausgestattet. Auch die älteste Tochter des Altmeisters, Anneliese Blacha, trat in dessen Fußstapfen.

Peter-Raphael Richwien half durch sein segensreiches Wirken nicht nur, das wertvolle kulturelle Erbe von Künstlern der Renaissance, des Barock und der Neogotik zu bewahren, sondern er hinterließ auch neuzeitliche Spuren. Zum Besuch von Benedikt XVI. (1927 bis 2022) im September 2011in Etzelsbach sorgte er nämlich für die farbliche Gestaltung der Papstbühne und des dortigen Gestühls.

Und bis heute erstrahlt seine 1994 in ein Gemälde verpackte Sonnenuhr an der Fassade des Gemeindeamtes am Anger von Lengenfeld/Stein. Sie zeigt das ganz Jahr über sowohl die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) als auch die eine Stunde voraus eilende Sommerzeit an. Zwei Zeitbänder mit der römischen Stundenangabe sind auf dem schmucken Chronometer so versetzt angeordnet, dass über den Schattenstab beide Zeiten angezeigt werden. Vorausgesetzt, die Sonne lässt den Stab Schatten werfen.

Über dem strahlenden Sonnengesicht thront die Schutzpatronin Maria, während rundherum die Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen des Dorfes im Südeichsfeld grüßen: die katholische Pfarrkirche „Mariä Geburt“, das St.-Josefs-Heim, das Pfarrhaus, das Schloss Bischofstein, die evangelische Kirche, die Schule, das Gemeindeamt sowie das Eisenbahnviadukt.

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