Predigt
Suche nach dem Gegenüber
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht. 1. Mose 2, Vers 18
Das Paradies ist der Inbegriff einer Zeit und eines Raumes, der voller Harmonie und Frieden ist. Das Paradies ist ein Sehnsuchtsort, weil unsere Welt und unser Leben es nicht sind.
Von Ulf Rödiger
Sie waren es auch nie. Für den Bruchteil eines Augenblickes ließ Gott uns spüren, wie es ist, ohne Scham zu leben. Mit dem Traumbild vom Paradies schenkte Gott uns eine Geschichte voller Wegzeichen für das Leben in der Welt.
Eines sticht dabei besonders heraus: Das Ziel seines schöpferischen Handelns ist das Miteinander im Gespräch. Unsere Mitgeschöpfe, die Tiere, bekommen wie wir Lebensatem von Gott eingehaucht. Uns aber schenkt er darüber hinaus eine Vielzahl von Sprachen – Gottes Fingerzeig, dass er die Menschen als Beziehungswesen erschafft.
Gerhard Begrich sagt in seinem Kommentar zu 1. Mose 2,18: „Es gibt keine Humanität ohne Mitmenschen, kein Ich ohne ein Du, es kann ein Mensch nicht Mensch sein ohne den Menschen.“ Anschaulich wird dies, als der Herr den Menschen aufträgt, die Tiere zu benennen. Wer einen Namen aussucht, tritt in Beziehung zu seinen Mitgeschöpfen. Aber es bleibt ein einsames, einseitiges Reden.
Der Mensch sucht ein Gegenüber auf Augenhöhe. Ihm so nah, dass sie Teil seiner selbst ist und doch ein eigener Mensch. Ein Mensch; der ihm Beistand und Hilfe, Gesprächspartner und Erfüllung seiner Sehnsucht nach körperlicher Nähe ist. Wir nennen das Liebe. So stark, dass selbst die innigste Beziehung zu unseren Eltern dahinter zurücktritt. Noch einmal Gerhard Begrich: „Das hebräische Wort ,basar‘ heißt ,Fleisch, Leib, Körper‘, zugleich aber auch ,Gespräch, Zwiesprache, Dialog‘. Zur Liebe gehören Leiblichkeit und Zwiesprache. Liebe verlangt Berührung und Rede.“ Und in den Momenten, in denen wir einander frei von Scham begegnen, leuchtet die Erinnerung ans Paradies auf.
Der Autor ist Pfarrer in Groß Rosenburg.
Autor:Online-Redaktion |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.