Mit goldener Tinte geschrieben

Foto: epd-bild/Heike Lyding
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"So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!" Jesaja 43, Vers 1

Ich war vierzehn, als ich mich taufen ließ. Ich weiß noch genau, wie das Wasser über meinen Kopf floss, wie ich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft wurde.

Von Christin Drexel

Und wie der Pfarrer in seiner Ansprache ein Bild zeichnete, das mich seither nicht mehr loslässt: In diesem Moment, sagte er, schreibe Gott mit einem goldenen Füller meinen Namen in sein großes Familienbuch. Niemand könne diesen Eintrag löschen – nicht ich selbst, nicht die Zeit, die so vieles verblassen lässt. Mein Name stehe dort, in goldener Tinte, unauslöschlich.

Das ist die Zusage, die ich in Jesajas Worten wiederfinde: Du bist mein. An Tagen, an denen ich mich verloren fühle, eines von vielen Gesichtern in einer großen, anonymen Menge, rufe ich mir jenen Gottesdienst in Erinnerung. Diese Zugehörigkeit musste ich mir damals nicht verdienen. Und muss es auch heute nicht. Sie ist mir geschenkt.

Da ist die Sorge, wie ich über die Runden komme. Da ist die Angst, aus dem Rahmen zu fallen, den andere für mich vorgesehen haben. Da ist das Gefühl, mich erst beweisen zu müssen – durch das, was ich leiste, durch das, was andere über mich denken. Da ist die Einsamkeit, trotz ständiger Erreichbarkeit. Das sind die Sklavereien unserer Zeit. Niemand legt mir Ketten an. Und trotzdem bin ich nicht wirklich frei. Dabei vergesse ich: Ich genüge längst – nicht, weil ich es mir verdient hätte, sondern weil Gott es mir zugesagt hat, lange bevor ich auch nur etwas dafür tun konnte.

Wir sollten uns viel öfter an unseren Tauftag erinnern. Weil genau diese Besinnung uns zurückholt – aus der Sorge, aus dem Vergleichen, aus der Angst, nicht zu genügen, aus der Einsamkeit – zu dem einen Satz, der all dem vorausgeht: Du bist mein, mit goldener Tinte geschrieben, lange bevor du wusstest, was das Leben von dir verlangen würde.

Die Autorin ist Pfarrerin in Niederroßla.

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Christin Drexel | Foto: C. Drexel
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