Predigttext
Kritik bringt voran

Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume;
wer aber mein Wort hat,
der predige mein Wort recht.
Jeremia 23, Vers 28 a

Von Urs Ebenauer, Pfarrer in Freiberg

Da kommt einer und meckert. Furchtbare Leute sind das. Viel besser arbeitet es sich mit denen zusammen, die das unterstützen, was geplant ist. Allerdings: Kommt man mit denen auch dahin, wo man hin sollte? Oder gerät man mit ihnen eher in die Sackgasse?
Die Zeitgenossen des Jeremia hörten natürlich lieber diejenigen Stimmen, die sie in ihrer Art zu leben bestätigten. Der Glaube an den einen Gott hatte sich inzwischen ein wenig vermischt mit Elementen anderer Religionen. Der Umgang
der Menschen untereinander war mit dem Gebot der Nächstenliebe nicht immer in Einklang zu bringen. Die Versuche, sich als kleine Macht einer großen Macht entgegen zu stellen, waren von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das wollten oder konnten diese Propheten nicht sehen.
Jeremia dagegen wagte es, die Rolle des Meckerers zu übernehmen. Er konnte gar nicht anders, denn Gott hatte ihn dazu berufen. Einfach wird das nicht gewesen sein. Wer den Finger auf die wunden Punkte legt, ist nicht gern gesehen. Dabei wissen heute sogar Prozessberater, dass man kritische Stimmen braucht, wenn der Weg zum Ziel führen soll.
Erst spätere Zeiten haben erkannt, wie sehr Jeremia Recht hatte. Vor allem mit seiner Warnung, das Vertrauen nicht auf andere Götter, politische Machtspielchen oder das eigene Wohlergehen zu setzen, sondern allein auf Gott. Jeremia hatte tatsächlich in Gottes Auftrag zur Umkehr gerufen.
Auch heute gibt es manche Hellsichtige. Sie sehen, dass unsere Wege in Kirche, Politik, Wirtschaft in mancherlei Hinsicht Irrwege sind. Sie sehen, dass wir mit dem Kapital einen Götzen anbeten, der so manches Opfer fordert. Aber wer ist ein falscher Prophet und wer kann wirklich einen Weg aus der Sackgasse heraus weisen? Nach den Worten des Propheten wird es immer das Wort Gottes sein, das uns das Kriterium zur Unterscheidung an die Hand gibt. Voranbringen werden uns die, die persönlichem oder nationalem Egoismus eine Absage erteilen. Vertrauen können wir denen, die durch ihren Glauben frei sind, das Richtige zu sagen und zu tun. Wegweiser kann sein, wer in Erkenntnis der Wahrheit auch unbequeme Wahrheiten nicht verschweigt.

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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