Jakob und die Himmelsleiter
Gedanken zwischen Himmel und Erde
- Inga Blickwede
- Foto: Annelie Brux Fotografie
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Jakob ist auf der Flucht: Viel Vergangenheit im Gepäck und keine Ahnung, was die Zukunft bringt. Die Nacht bricht herein, sein Kopf auf einem Stein. Kein Zuhause, nur die Kälte und das Dröhnen der eigenen Gedanken.
Von Inga Blickwede
Vielleicht kennen Sie das auch: Man steht zwischen dem, was war und dem, was werden soll und noch keinen Namen hat.
Jakob träumt in die Dunkelheit hinein. Flüchtige Bilder? Nein, eine Leiter, so klar, dass man die Sprossen zählen kann. Sie reicht von der Erde bis in den Himmel. Gott ist gegenwärtig und spricht in Jakobs Herz: „Ich bin mit dir. Ich lasse dich nicht allein.“
Man könnte meinen, Jakob hätte einen dieser Träume, die man am Morgen ablegt, wie einen zu engen Mantel. Doch der Traum wurzelt sich ein. Jakob wacht auf – alles ist verändert: Der Stein, auf dem er schlief, wird zum Meilenstein.
Eine Leiter in den Himmel – heute in dieser Zeit? Für Kinder ein Klacks, in ihren Köpfen ist vieles möglich. Beneidenswert.
Also wir lassen es geschehen wir tun so, als ob: Na klar, eine Himmelsleiter, ein Moment, in dem das Herz weit wird. Wenn man mitten im Alltag spürt: Ich bin nicht allein. Oder wenn jemand einen Satz spricht, der in uns nachklingt wie ein Glockenschlag.
Sprossen zwischen Sehnsucht und Wirklichkeit. Kein Fluchtweg aus der Welt, vielmehr eine Brücke, die Himmel und Erde verbindet, im Unerwarteten besonders willkommen.
Für Jakob war die Leiter ein Versprechen: Gott ist da, mitten in der Unsicherheit zwischen gestern und morgen. Gott ist nicht auf heilige Orte festgelegt, sondern kommt in die Wildnis, auf die offene Straße, sogar in unsere Träume.
Wir können es als eine Einladung verstehen: Halten Sie Ausschau nach dem was den Blick öffnet und Verbindung ermöglicht. Momenten, in denen der Himmel einen Spalt breit offensteht. In Zeichen, im Lachen eines Kindes, im Mut, neu anzufangen und Fragen zu stellen, auch unbequeme. Gott ist ein Gott, der Brücken baut, der mitgeht, der in den Zwischenräumen wohnt und dem auch unsere Zweifel willkommen sind.
Uns bleibt am Ende – wie Jakob – nur das Staunen: „Hier ist Gott, und ich wusste es nicht.“ Ein kleines Stück Himmel auf rauem Boden.
Die Autorin ist Referentin in der Kinder- und Jugendhilfe/Kindertagesstätten der Diakonie Sachsen.
Autor:Online-Redaktion |
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