Der Präsident, das Paradies und das Plastik

Strandgut: Freiwillige sieben in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf Santa Cruz den Sand am Strand, um Plastikteilchen herauszufischen.
  • Strandgut: Freiwillige sieben in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf Santa Cruz den Sand am Strand, um Plastikteilchen herauszufischen.
  • Foto: Christian Irrgang/ epd-bild
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Ganz ohne Plastik geht es auch auf den Galapagos-Inseln nicht. Ein Mädchen am Strand der Insel Santa Cruz spült im Meer den vielen Sand von ihren Kunststoff-Sandalen. Der Lutscher im Mund eines Jungen hat einen Plastik-Stiel. Aber die Inseln bemühen sich um Verzicht. Tüten aus Kunststoff sind verboten.
In einem deutschen Regierungsflieger wird an Plastik bislang eher nicht gespart. Jedes Essensschälchen ist hygienisch in Frischhaltefolie gewickelt, jedes Besteck vor neuer Benutzung neu eingeschweißt. »Da gibt es schon Potenzial zu sparen«, findet Helene Radloff. Die 20-Jährige Medizinstudentin hat 2017 gemeinsam mit zwei Schulfreunden den Wettbewerb »Jugend forscht« gewonnen. Zwei Jahre später sind die drei früheren Klassenkameraden Teil der Delegation, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf seiner Südamerika-Reise begleitet.
»Wenn wir weitermachen wie bislang, schwimmt bis 2050 womöglich mehr Plastik als Fisch in den Ozeanen«, sagte Bundespräsident Steinmeier. Helene Radloff, Johanna Romahn und Felix Engelhardt würden da nicht widersprechen. Ihr »Jugend forscht«-Projekt zeigte 2017, dass Mikroplastik vielleicht viel tiefer in den Meeresboden eindringt und damit auch eine noch viel größere Belastung für die Meere ist als bis dahin von der Forschung angenommen.
Die riesigen Plastikinseln, die inzwischen im Meer schwimmen, sind die sichtbaren Folgen des unbedarften Kunststoffkonsums. Mikroplastik – Teilchen bis zu einer Größe von fünf Millimetern – ist das nicht. Wie viel Schaden es in den Meeren anrichtet, ist nicht bis ins letzte Detail erforscht. Wissenschaftler haben aber längst herausgefunden, dass Fische es aufnehmen und das Plastik damit auch irgendwann in den Mägen anderer Tiere oder von Menschen landet.
Das bedroht auch das Naturparadies auf den Galapagos-Inseln. Freiwillige sieben auf Santa Cruz, einer der größeren Inseln, den Sand am Strand, um Plastikteilchen herauszufischen. Sie wollen es fernhalten von den Echsen, Leguanen, Blaufußtölpeln, Fregattenvögeln und Riesenschildkröten, die hier heimisch sind. Das Archipel ist ein einzigartiges Biotop. Besucher staunen über Tiere, die kaum natürliche Feinde haben und daher auch Menschen in ihrer Nähe tolerieren. Und dennoch: »Wer hier ist und sich ein bisschen umschaut, der merkt, wie bedroht dieses Paradies ist«, stellt Steinmeier fest, der als erster Bundespräsident die Inseln besuchte.
Steinmeier hat auf seiner Südamerika-Reise das Miteinander von Natur und Mensch in den Vordergrund gestellt. »Wir haben nur einen Planeten«, mahnte er in seiner Rede an der katholischen Universität in Ecuadors Hauptstadt Quito. Nicht nur Europa müsse sich mit dem Thema Plastikmüll befassen, sagte er. Konkrete Forderungen hatte der Bundespräsident nicht, merkte aber an, dass Verbote in der Vergangenheit durchaus Erfolg hatten.
Und auch die Jugend in der Delegation hat Ideen. Auf Plastikverpackungen könnte eine Steuer erhoben werden, schlägt Helene Radloff vor. Das könne Menschen dazu bewegen, ihr Verhalten zu ändern. Sie selbst ist im Alltag inzwischen ziemlich konsequent. Kosmetikprodukte wie Deo oder Zahnpasta stellt sie selbst her, ohne Mikroplastik. Das sei ganz einfach: »Kokosöl, Natron und je nach Geschmack Pfefferminzöl.«

Corinna Buschow (epd)

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